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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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432 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjäkrigen Kriege etc.

essen zurückgezogen und nur wenige Leute in den vordersten Versckan-zungen belassen hatten, zu einem heftigen Ausfall, den sie mit 10000Mann gegen die Schanzkörbe unternahmen; sie bemächtigten sich der-selben, um sie zu zerstören. Aber sofort fielen die Wojewoden über dieKasanzer her, und nach heissem blutigem Kampfe gelang es ihnen, sieunter grossen Verlusten in die Stadt zurückzudrängen; sie hatten jedochebenfalls eine erhebliche Zahl von Todten und Verwundeten verloren,W o r o t y n s k i selbst erhielt mehrere Blessuren und verdankte sein Lebennur der Festigkeit seines Panzers. Die Schanzkörbe aber wurden ge-rettet. Zur gleichen Zeit hatten Kasanzer und Nogaien einen Ausfallgegen die Schanzarbeiten des Avantgarden-Regiments und des Jertoulunternommen, dem Zboilewschen Thor gegenüber. Hier waren aber dieWojewoden und Truppen zur Abwehr bereit, warfen sich von allen Seitenauf den Feind und trieben ihn in die Stadt zurück, ohne dabei selbstVerluste erlitten zu haben.

Schon 5 Wochen währte die Belagerung, der Herbst nahte heran,und mit Ungeduld wünschten die Belagerer das Ende herbei, bevor derSpätherbst einträte. Aber wenn die Belagerung mit Eifer und An-strengung betrieben wurde, so vertheidigten sich auch die Belagertenmit Muth und Verzweiflung, obgleich sie Hunger und Durst litten unddurch grosse Verluste (bereits über 10000 Mann) in Folge des feindlichenFeuers, der Ausfälle, wie durch Krankheiten und Todesfälle sehr ge-schwächt waren, und alle Aufforderungen zur Uebergabe wurden vonihnen abgelehnt. Johann bemerkte, dass die Belagerten in Hohlräumengegen das russische Feuer Schutz fanden; er befahl, diese zu unternii-niren und sie in die Luft zu sprengen, und nachdem dies geschehen, dieSchanzkörbe bis an das Arsko- und Zarische Thor heranzubringen. DieseSprengung erfolgte am 30. September, eine grosse Anzahl der Belagertenfand dabei den Tod. Die Kasanzer geriethen dadurch so in Schrecken,dass sie sich längere Zeit unthätig verhielten. Die russischen Wojewodenbenutzten dies und brachten die Schanzkörbe bis dicht an das Arskoer,Zarische und Atalykowsche Thor. Die wieder zur Besinnung gelangtenKasanzer warfen sich, aus den Thoren vorbrechend, den russischenTruppen entgegen, diese aber, welche den zu ihnen herangaloppirendenJohann selber bemerkten, stürzten mit verdoppeltem Eifer auf die Ka-sanzer , und in den Thoren, auf den Brücken, an den Mauern, überallentstand ein furchtbares Handgemenge und Feuergefecht. Endlich ge-wannen die Russen die Ueberhand, erstiegen die Mauern, besetzten dasArsko-Thor, drangen sogar in die Stadt ein, in deren Strassen der Kampfsich fortsetzte, und Worotynski schickte zu Johann, mit der Bitte,alle Truppen zu einem gemeinsamen Sturm zu führen. Johann aber,welcher nicht durch zu grosse Eilfertigkeit den ganzen Erfolg der Be-