Benierkenswertheste Kriege und Feldzüge. 433
lägenffig aufs Spiel setzen wollte, namentlich da die übrigen Regimenterfür diesen Tag nicht zürn Sturm gerüstet waren und 2 grosse Minen erstam folgenden Tage fertig werden konnten, gab Befehl, die russischenTruppen wieder aus der Stadt zu ziehen. Dies geschah nicht ohne Mühe,Die Wojewoden steckten die Holzmauern, Thore und Brücken in Brand,befahlen ihren Leuten, sich mit starken Schilden zu schützen, die Schanz-körbe aber mit Erde zu füllen, und besetzten den Arsko-Thurm mitSchützen. Die Kasanzer arbeiteten gleichfalls mit Anstrengung, suchtengegen die Breschen sich durch Holzkasten zu schützen, die sie mit Erdefüllten, und trafen überhaupt alle möglichen Vorkehrungen zu der letztenGegenwehr.
Am folgenden Tage, 1. Oktober, Hess Johann die Gräben mit Erdeund Reissig ausfüllen, Brücken bauen, ein den ganzen Tag währendesheftiges Feuer aus Geschützen und Gewehren unterhalten und dadurchdie Stadtmauern gründlich zerstören.
Für den nächsten Tag, Sonntag den 2. Oktober, wurde ein allge-meiner Sturm festgesetzt und dazu alle Vorbereitungen getroffen;
Um den Rücken des Heeres gegen die Wiesen- (Lugowy-)Tschere-missen, die in den Wäldern streifenden Tataren und die Nogaien zusichern, sowie um den Kasanzern alle Wege zum Entkommen aus derStadt abzuschneiden, erhielt Fürst Mstislawski mit einem Theile desGrossen Regiments und Schig-Alej mit den Kassimowzern und Berg-Tscheremissen den Befehl, die Arskosche und Tschuwascher Strasse zubesetzen, die Fürsten Jurji Obolenski und Meschtscherski mitden Dworjanen der zarischen Druschine die nogaisehe Strasse, FürstRomodanofski die Galitseher Strasse, — während das andere zu ihmgehörende Dworjanen-Corps weiter oben an der Kasanka bei Altstadt(Stary Gorodischtsche) stehen sollte.
Für den Sturm wurden die Truppen folgendermaassen disponirt:Ganz vom in der 1. Linie sollten die Kasaken mit ihren Häuptlingen undden Regimentern der Bojaren-Hofe-Leute*) sich befinden, welche in Sot-nien getheilt unter den Befehlen auserlesener Bojaren-Kinder standen.
Hinter ihnen in 2. Linie kamen die Wojewoden: Fürst Worotynskiund Okolnitsch Bassmanof in dem Raum zwischen Bulak undPoganerSee, — Fürst Chilkow gegen das Kaibatsche Thor, Troeku-row auf das Zboilewsche, Fürst Andreas Kurbski gegen das Elbu-
*) Sie rangirten unter die Bojaren-Kinder, jedes Regiment war 5000 Mannstark, bei jedem Reiter-Kegimente 1000 Schützen mit Feuergewehren und 7—800Kasaken mit Bogen und Spiess; für die Fuss-Regimenter waren Schilde von Bret-tern auf Rollen und Rädern im Gebrauch (nach Art der Guljai-Gor od, beweg-lichen Stadt).