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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 425

macht hatte. Uni diese Fahne sammelte sich die ganze Zaren-Druschine(Hof-, Leihwachen, Garden), Bojaren und Wojewoden, und die beimHeere befindliche Geistlichkeit intonirte das »Gebet vor der Schlacht ge-gen die Widersacher«. Johann betete unter Thränen vor der Fahne,dann hielt er eine feurige Anrede an das Heer, indem er gerührt(Worte des Chronisten) es bat, »keine Mühe zu scheuen, um die Christumhassenden Sumpfvögel zu besiegen, und einmüthig für ihre Frömmigkeit,für die heilige Kirche, für den heiligen rechten Christenglauben, und fin-den eingeborenen Bruder zu leiden«. Diese Ansprache begeisterte undrührte das Heer und alle Chargen desselben ausserordentlich, die höch-sten wie die untersten. Dann stieg Johann zu Pferde, und rief, aufdas Bildniss auf der Fahne zeigend; »HErr! In deinem Namen vor-wärts!«, und liess die Regimenter aus der Ebene gegen die auf demBerg gelegenen Mauern Kasan's vorrücken.

§. 189.Belagerung und Einnahme von Kasan (1552).

Kasan war von Natur sehr stark durch seine Lage, ausserdemdurch seine Befestigungen. Einer derTheilnehmerander Belagerung undEinnahme der Stadt, Fürst Andreas Kurbski (später nach Lithauenausgewandert) beschreibt deren Lage in seiner Geschichte folgender-maassen:

»Die Stadt Kasan ist sehr stark durch ihre Lage; östlich (soll heis-sen: nördlich) von ihr fliesst die Kasanka, westlich (soll heissen: süd-lich) der Bulak-Fluss, sehr schlammig und unpassirbar, dicht ander Stadtvorbei, Letzterer fällt bei einem Bastionsthurm in die Kasanka; dieseentströmt dem kleinenKaban-See, etwa 1 / 2 Werst von der Stadt; hat mandiesen Fluss überschritten, so stösst man zwischen See und Stadt auf demArskoer Felde auf einen sehr steilen und schwer zu ersteigenden Berg.Von dem Bulak-Fuss ist ein sehr tiefer Graben um die Stadt herumgeführtbis zum Pogan-See (der heute nicht mehr existirt), der neben der Kasankaliegt; über der Kasanka erhebt sich der Berg zu solcher Höhe, dass esschwer ist mit den Augen hinauf zu sehen; auf diesem Berge liegen dieStadt, die Zaren-Paläste, und 5 steinerne sehr hohe Moscheen.«

Hierauf beschränkt sich Kurbski's Beschreibung. Zu derenErgänzung und Erläuterung mögen folgende spätere Notizen dienen:

Unter der Kaiserin Katharina IL verfertigte der Baumeister vonKanitz auf Grund einer Besichtigung der Überreste der alten StadtKasan, Mauern, Gräben, Wälle, Thurmruinen, einen Plan vonKasan, der Umgegend, und der Belagerung des Jahres 1552 (der sichheute in dem Kriegswissenschaftlichen Archiv des Generalstabs be-