412 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
wolle. Letzterer schenkte dem Glauben, sandte Piljemof nach Kasan,um Saffa-Ghirei den Eid abzunehmen, — und den Fürsten Palezkihinterdrein, um die Ausführung zu überwachen. Palezki aber erfuhr,als er eben Nishni - Nowgorod erreicht hatte, dass der schurkischeSaffa-Ghirei diesen Eid bereits gebrochen habe, indem er Piljemofgröblich beleidigte. Man musste also von Neuem zu den Waffen greifenund im Sommer 1530 wurden starke Heere nach Kasan geschickt, — einSchiffs-Heer, wieder unter Bjelski's Befehlen, das Reiter-Heer unterdem berühmten Michael Glinski, der eben aus der Gefangenschaftbefreit worden war; das Avantgarden-Regiment befehligte der FürstObolenski-Owtschin.
Saffa-Ghirei rief die Tscheremissen und 30000 Nogaien herbeiund rüstete sich zu hartnäckiger Gegenwehr: er befestigte die Vorstädtevon Kasan durch einen Holzwall mit tiefem breitem Graben, zog sichaber selbst mit der Reiterei in heftigem Kampfe vor der russischen Rei-terei nach Kasan zurück, jeden Schritt nachdrücklich vertheidigend undhäufig die russische Cavallerie angreifend. Letztere aber wehrte alleseine Angriffe ab, zwang ihn nach Kasan abzuziehen, überschritt dieWolga und vereinigte sich auf dem linken Ufer derselben mit dem bereitsgelandeten Schiffs-Heere. Nun kam es vor Kasan täglich zu heissenblutigen Gefechten. Die Kasanzer fochten bei Tage tapfer, waren aberbei Nacht nachlässig. Dies machten sich Freiwillige aus dem Vorhuts-Regiment Obolenski's zu Nutze, indem sie am 10. Juli sich an diePallisadenmauer heranschlichen und sie anzündeten. Die russischenTruppen brachen im Sturm vor, drangen in die Umpfählung ein, nahmendie Vorstadt, zerstörten und verbrannten sie, machten eine Menge Ka-sanzer nieder und wandten sich gegen die Stadt selbst. Man brauchtesie nur zu unterstützen und den Sturm mit aller Kraft zu unternehmen, —und Kasan wäre gefallen. Saffa-Ghirei zog sich aus der Stadt zu-rück in das Städtchen Arski, nur von leichten Truppen verfolgt, — dieUnordnung aber in dem Befehl über die russischen Truppen Hess eswieder nicht zu, dass Kasan mit einem Schlage genommen wurde. Dierussischen Wojewoden blieben mit der Hauptmacht unbeweglich stehen,zugleich aber so unbewacht, dass es den Tscheremissen gelang, hinterihrem Rücken den Heertross, 70 Kanonen und Pulver- und Blei-Vorräthewegzunehmen und eine Anzahl Wojewoden und Ratniki zu tödten. DieTscheremissen wurden verjagt und von Neuem ein Sturm gegen dieStadt ausgeführt, welche mit Leichtigkeit genommen werden konnte,weil sie von kaum 12000 Bewaffneten besetzt war. Die Kasanzer aberschickten wiederum hinaus und Hessen um Frieden bitten, indem sieversprachen, sich Wassilji zu unterwerfen, —undBjelski willigteabermals ein, hob die Belagerung auf, nachdem er ihnen den Eid der