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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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406 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjälirigen Kriege etc.

Wassilji selber. Wenn allerdings die Bojaren es nicht für möglich ge-halten hatten, 34 Tage zu warten, bis Wassilj i mit den von ihm ge-sammelten Truppen die Stadt entsetzt haben honnte (was sehr schwierig,wenn nicht ganz unmöglich war), so hatte Wassilji seinerseits durchseine Entfernung aus dem ohne alle Schutz-Mittel gelassenen Moskau,zu dem Zwecke, um in Wolskolamsk Truppen zusammen zu ziehen,welche er in 34 Tagen unmöglich beisammen haben konnte (in Folgeder Verhältnisse des Kriegs-Lehnsdienstes) durchaus nicht den untersolchen Umständen besonders erforderlichen Muth und Klugheit gezeigt.Durch glückliche Zufälle waren sowohl Moskau wie Rjäsan gerettetworden, aber die Folgen der Einfälle Mahmet's und Saip's warenfurchtbar. Im Volke bezifferte man die Zahl der von ihnen in Gefangen-schaft Geschleppten auf 800000 Menschen, offenbar übertrieben, jedochbezeichnend für die schreckliche Verwüstung des moskauischen Gebietes.Die unersättlich-habgierigen Krym-Tataren verkauften ihre russischenGefangenen in Kaffa, die Kasanzer die ihrigen in Astrachan. Ausserdemhatten sie im Verhältniss zu den Gefangenen auch entsprechende Beutezusammengeraubt. Dies erregte in Mahmet-Ghirei die Begier, imHerbst einen gleich vortheilhaften Einfall zu wiederholen, er erliessdaher bei seiner Rückkehr in die Kryrn an seine ganze Horde den Befehl,sich zu einer erneuten Herbstcampagne zu rüsten. Doch kam diese nichtzur Ausführung, und bis zum Frühjahr des folgenden Jahres 1522 wares Wassilji gelungen, ein starkes, aus zahlreicher Reiterei und Fuss-volk nebst einer grossen Anzahl von Geschützen bestehendes Heer auf-zustellen, er selbst mit der Hauptmacht bei Kolomna, der Rest desHeeres längs der Oka. Mahmet-Ghirei aber hatte hiervon erfahrenund überschritt die moskauische Grenze nicht, sondern wollte vielmehrseinen alten Plan der Besitzergreifung von Astrachan ausführen, gegendas er auch einen Zug unternahm. Nichts destoweniger niusste dochWassilji sowohl ihn wie Saip-Ghirei fortwährend im Auge behalten.Dies veranlasste auch den Abschluss eines Waffenstillstandes mitLithauen, wie oben erwähnt, wodurch Wassilji die Möglichkeit er-langte, seine ganze Aufmerksamkeit auf die Krym, Kasan nnd Astrachanzu richten.

Mahmet-Ghirei's Absichten auf Astrachan beunruhigten Was-silj i nicht; im Gegentheil, der Bürgerkrieg zwischen den Tataren warihm angenehm, das Resultat desselben entschieden ihm von Nutzen.Mahmet-Ghirei gelang es. nachdem er sich mit dem Nogaien-FürstenMamai vereinigt hatte, sich Astrachans zu derselben Zeit zu bemäch-tigen, als dessen Khan Hussein in Unterhandlungen über ein engesBündniss mit Wassilji stand. Bald darauf aber überfielen die mitMahmet verbündeten nogaischen Fürsten, welche in der Erstarkung