Benierkenswertheste Kriege und Feldzüge. 405
29. Juli vor Moskau erschien. Dieser dachte gar nicht daran, die Stadtmit Sturm zu nehmen, wozu er weder Mittel noch Lust hatte, war viel-mehr bereit, auf die erste Kunde von Wassilji's Herannahen mitTruppen abzuziehen, und willigte sofort darein, die russischen Grenzenzu räumen, wenn er eine schriftliche Verpflichtung von Wassilji er-halte, ihm den Tribut zu bezahlen. Moskau konnte nicht lange in deroben geschilderten Verfassung aushalten, und so erhielt Mahmet-Ghirei das von ihm verlangte schriftliche Versprechen und zog nachEjäsanab. Eustaphius Daschko witsch hätte diese Stadt gern durchList genommen, er schlug den Einwohnern vor die Gefangenen loszu-kaufen, und hoffte dabei Gelegenheit zu finden, mit den Rjäsanschenzugleich in die Stadt einzudringen. Mahmet-Ghirei seinerseits wollte,zu besserem Erfolge dieser List, den in der Stadt commandirenden Okol-nitschen Chabar-Simski zu sich locken und schickte ihm, als demWojewoden seines Tributärs, den Befehl, vor ihm (Mahmet) imLager zu erscheinen. Aber Chabar-Simski erwiderte, dass ihm nochnicht bekannt sei, dass der Grossfürst wirklich sich dem Khan tribut-pflichtig erklärt habe, er fordere Beweise. Der Khan schickte ihm dieUrkunde, welche ihm in Moskau ausgefertigt war, und während dessennäherte sich Daschkowitsch mehr und mehr der Stadtmauer und gababsichtlich einigen Gefangenen Gelegenheit in die Stadt zu entfliehen.Die Tataren setzten ihnen nach und forderten ihre Herausgabe; dieEjäsanzer thaten ihnen den Willen, aber die Anzahl der Tataren vor derMauer wuchs mehr und mehr; da plötzlich erfolgte eine Salve aus denStadtgeschützen, welche unter dem deutschen Kanonier Joh ann Jordanstanden, und im grössten Schrecken flohen die Tataren von der Mauerfort. Der Khan forderte die Auslieferung Jordan's, bekam aber eineabschlägige Antwort, — und da er nicht die Absicht gehabt hatte, dieStadt durch Gewalt zu nehmen, seine List aber fehlgeschlagen war, erauch von Feindseligkeiten der Astrachanzen Kunde erhielt, welche sichan seinem Einfall nach Moskau nicht betheiligen wollten, so zog er ausden moskauischen Grenzen ab, mit ungeheurer Beute und vielen Ge-fangenen, aber unter Zurücklassung der von den Bojaren Moskau's ihmausgestellten Urkunde über die Verbindlichkeit des Grossfürsten zu Tri-butzahlung an den Khan in den Händen Chabar's-Simski. Saip-Ghirei aber kehrte mit den Kasanschen nach Kasan zurück.
So hatte Mahmet-Ghirei weder Moskau nochRjäsan einzunehmenvermocht, — erstere Stadt, weil die kleinmüthigen Bojaren derselbenim Namen Wassilj i's, wozu sie gar kein Recht hatten, ihm ein Ver-sprechen aushändigten, dass Letzterer ihnen Tribut zahlen solle, — undRjäsan, weil zum Glück sich in dieser Stadt ein Mann wie Chabar-Simski befand, der mehr Math zeigte als die Bojaren in Moskau und
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 27