Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
390
Einzelbild herunterladen
 

390 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

dieser rasch abgeschlossen ganz nach dem Willen Wassilji's, d. h.ihm wurden alle Erwerbungen Johann's bestätigt, beide Herrscherverpflichteten sich gegen die gemeinsamen Feinde einig zu sein, mitAusnahme von Mengli-Ghirei, Glinski nebst seinen 2 Brüdernund ihrem Anhange wurde freier Uebertritt aus Lithauen nach Moskauausbedungen, u. s. w.

So war der von beiden Seiten mit so grosser Anspannung der Kräftebegonnene Krieg, in welchem beide Theile einen entscheidenden Schlagzu führen beabsichtigt und gehofft hatten, geführt worden, indem maneinem Entscheidungskampfe auswich, mit den Hauptkräften sich voneinander entfernte, und nur in der üblichen barbarischen Weise das Landmit Feuer und Schwert verwüstete, Städte in Asche legte, die schuld-losen Bewohner ermordete, die Heere sich gegenseitig aus den eigenenGrenzen verjagten. und er hatte geendet mit dem gewöhnlichen Ab-schluss eines ewigen Friedens, aber nur für kurze Zeitdauer,um dann ganz in gleicher Weise von vorn anzufangen. So war der Kriegzu jener Zeit um Nichts besser, als der der Tataren oder Asiaten über-haupt. Im Vortheil war übrigens dennoch Wassilji verblieben, nichtetwa Sigismund.

In der That dauerte der berühmte ewige Friede nicht länger als 4Jahre. Bald schon nach seinem Abschluss begannen erneute gegenseitigeMisshelligkeiten, Streitigkeiten, Beleidigungen, Unzufriedenheit undKlagen, und die grössere Schuld dabei traf Sigismund. Er trug seineüble Gesinnung gegen Wassilji offen zur Schau, bedrückte und kränktedessen Schwester Helena, suchte ihn mit seinen Brüdern zu entzweien,reizte die Krym-Tataren gegen ihn auf, und es gelang ihm schliesslich,zwischen dem kraftlosen Mengli-Ghirei und Wassilji es zum offenenBruche zu bringen. Aber den livländischen Orden vermochte er nichtgegen Wassilji zu Ergreifung der Waffen zubewegen, denn dem Ordenlag nur die Sorge um Rückkehr seiner Kaufleute und deren Waaren amHerzen, welche unter Johann schon weggenommen worden waren,und im März 1509 schloss er einen Waffenstillstand auf 14 Jahre, mitder Verpflichtung, Lithauen keine Unterstützung gegen Russland zu ge-währen.

Die gegenseitige Unzufriedenheit Wassilji's und Sigismund'serreichte endlich 1512 ihren Gipfel, u. A. auch in Folge der selbstsüch-tigen Aufhetzungen Wassilji's durch Glinski, und der Aufreizungder Krym-Tataren gegen Wassilji durch Sigismund. Im Herbst 1512erklärte Wassilji an Sigismund den Krieg, zu dessen Beginnen ihndie Umstände besonders begünstigten. Markgraf Alb recht von Bran-denburg, Schwestersohn Sigismund's, rüstete sich zum Kriege mitdiesem, als er Grossmeister des deutschen Ordens geworden war, da er