Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 389
sich um Mitternacht noch weiter zurück (!), — und Sigismund wagtenicht sie zu verfolgen, sondern kehrte nach Smolensk zurück. Die mos-kauischen Wojewoden gingen aus Dubrowna südöstlich nach Mstislawl,dessen Vorstädte sie einäscherten, dann nach Kritschew, und entferntensich somit von Sigismund in entgegengesetzter Richtung, als wenn siezu solchen gedankenlosen Thaten ausgeschickt gewesen wären! Mankann in der That nur bedauern, dass der Oberbefehl nicht Glinskitibertragen war, welcher ohne Zweifel unvergleichlich geschickter ver-fahren sein würde.
In Smolensk eingetroffen beschloss Sigismund offensive Opera-tionen zu beginnen und übertrug den Oberbefehl seines Heeres demlithauischen Hetman Fürst Konstantin Ostroshski, welchem es ge-lungen war aus Moskau zu entfliehen. Dieser Feldzug kam aber nicht zuStande, weil zu dieser Zeit in Lithauen Unruhen stattfanden in Folgeder Streitigkeiten zwischen 2 Grossen (ein eigenthümlicher Charakterzugder damaligen Kriegs-Organisation) und die lithauischen Heerhaufenkonnten nur Bjelaja (jetzt Bjelai) niederbrennen, Toropez überwältigenund sich Dorogobusch's bemächtigen, welches die Eussen selbst denFlammen übergaben, da sie es nicht zu schützen vermochten. Aber da-mit hatten auch diese Erfolge ihr Ende erreicht, sobald nur Wassiljiseinen Truppen Befehl gab, sich den bedrohten Grenzen zu nähern, —Schtschenja nach Toropez, Jakob Zacharjewitsch nach Wjasmaund Dorogobusch, die Fürsten Starodubski und Schemjatschitschaber zum Schutze der sjäversker Provinz rückten. Auf die Kunde vondem Anmarsch der russischen Truppen flohen die Lithauer aus Dorogo-busch und Toropez, die moskauischen Wojewoden aber, welche auflithauischem Gebiete standen, räumten es, einer entscheidendenSchlacht ausweichend, um bei der ersten günstigen Gelegenheitwieder in demselben zu erscheinen. Daher war Sigismund gezwungen,stets ein starkes Heer bereit zu halten, und das hatte seine Schwierig-keiten , ja es war unmöglich wegen der Unordnung in Lithauen; alsoblieb Nichts übrig, als den Krieg im Herbst zu beenden, um nichtGlinski die Möglichkeit zu gewähren, den Winter zur Unterstützungseiner Anhänger in Lithauen zu benutzen. Aber auch Wassilji hatte esnicht verstanden, von dem wichtigen Uebertritt Glinski's auf seine Seiterechtzeitig und nachdrücklich Nutzen zu ziehen, er beachtete nichtden Vorschub, welchen ihm der Krieg zwischen Mengli-Ghirei undden Nogaien leistete, und gab endlich der Ueberredung seiner SchwesterHelena, Wittwe Alexander's, Gehör, liess sich auch durch den zwei-felhaften Kriegserfolg bestimmen, — und sprach den Wunsch nach Frie-den aus. Und als am 19. September Sigismund's Gesandte in Moskauerschienen, um über einen ewigen Frieden zu unterhandeln, da wurde
Galitzin, Allgera. Kriegsgeschichte II. 2. 26