Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
387
Einzelbild herunterladen
 

Beinerkenswertlieste Kriege und Feldzüge. 387

Wojewoden mit Truppen nach Lithauen senden wolle, aber auch Glinskisolle seinerseits nicht zaudern. Nun ging Glinski mit 700 Reitern überden Nienien nach Grodnow, überfiel Nachts plötzlich nahe dabei seinenHauptfeind Zabereshski (polnisch Zabrszezinski), Hess ihm denKopf abschlagen, schickte dann seine Reiterei aus, um seine übrigenFeinde aufzusuchen und zu vernichten, und begab sich selbst, immermehr Truppen sammelnd nach Nowgorod.

Wenn also Sigismund sich mit der Hoffnung geschmeichelt hatte,den Wassilji von 3 Seiten zugleich, mit den krymschen und kasanschenTataren gemeinschaftlich, übrigens nicht all zu bedeutenden und ge-fährlichen Feinden anzugreifen, so erschien als Verbündeter Was-silji's in Lithauen selbst ein Mann, der schon für sich allein eine fürSigismund bedrohliche, für Wassilji aber nutzbringende Macht re-präsentirte, denn hinter ihm stand fast die ganze rechtgläubige russischeBevölkerung von Lithauen, welche sich offen auf Wassilji's Seiteneigte. Letzterer musste nur sofort, unentwegt und auf jede Weise davonNutzen ziehen und u. A. hätte es wohl das Beste geschienen, den Ober-befehl über die russischen gegen Lithauen bestimmten Heere einem soklugen, gebildeten und im Kriegswesen erfahrenen Mann wie Glinskizu übertragen, einen geborenem Lithauer, der alle Verhältnisse des Lan-des genau kannte und dabei selbst aufs Lebhafteste interessirt war.Leider aber war dies bei dem damaligem Hochmuth und der Mjästnit-schestwo der russischen Bojaren und Wojewoden unausführbar undhätte wahrscheinlich sehr üble Folgen gehabt.

Alles das war im Februar, März und April 1507 geschehen, dieUnterhandlungen zwischen Sigismund und Wassilji führten zuNichts, und am 29. April rückten die moskauischen Truppen schon andie lithauischen Grenzen. Aber ihre Wojewoden zogen sich zurück, alssie (nach lithauischen Angaben) hörten, dass Sigismund herannahe,welcher nach Wegnahme des Schlosses Gsykow einige Flecken und Be-zirke in den russischen Grenzen zerstört hatte, dann aber wegen Mangelan Lebensmitteln und furchtbarer Hitze (im Juni 1507) nach Wilna zu-rückkehrte. Mag es sein wie ihm wolle, die kriegerischen Aktionen desJahres 1507 beschränkten sich hierauf.

Im Frühjahr 1508 wurden sie mit Nachdruck wieder aufgenommen.Glinski hatte schon Sluzkisches und Kopylsches Land verheert, belagerteTurow und Mosyr. Wassilji Hess ihm Nachricht zugehen, dass er ihmTruppen unter dem Fürsten Schemjatschitsch (gewesener Lithauer)zur Unterstützung senden werde, und schrieb dabei, dass Glinski mitdiesen Truppen die ihm nächsten Städte nehmen, nicht aber weiter indas Innere von Lithauen eindringen und nicht zu sehr eilen solle, bevornicht ein 2. zahlreicheres Heer aus Moskau heran sei. Nach Sehern-