Bernerkenswertheste Kriege und Felclzüge. 385
hielten es aber doch für nöthig, für alle Fälle Truppen an der lithauisck-russischen Grenze zusammen zu ziehen, und baten Plettenberg, das-selbe an den livländiseh-russischen Grenzen zu thun.
Die Hoffnungen Alexander's auf Bürgerkriege zwischen Wassiljiund seinem Neffen Dimitrji erfüllten sich jedoch nicht: Wassilji re-gierte in Ruhe, Dimitrji blieb nach wie vor ausgeschlossen. Auch dieUnterhandlungen Alexander's wegen eines ewigen Friedens, auf dieBedingung der Rückgabe der von Johann entrissenen Provinzen Li-thauens an dieses Land, zerschlugen sich, da das den Absichten Was-silji's keineswegs entsprach. So konnte Alexander von dem TodeJohann's keinen Nutzen ziehen, und er selbst starb 10 Monate später(August 1506) kinderlos. Nun hielt Wassilji seinerseits den Augenblickgekommen zur Vollendung des grossen Werkes — der friedlichen Ver-einigung von Lithauen mit Russland unter seiner Gewalt, und Hess durchseine Schwester Helena, die Wittwe Alexander's, dies den Ständenvon Lithauen eröffnen. Aber schon war es zu spät: im Oktober 1506hatten die lithauischen Stände Alexander's jüngeren Bruder Sigis-mund, welchen Alexander zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, alsGrossfürsten erwählt. Und im Dezember desselben Jahres wählte auchder polnische Reichstag Sigismund zum König von Polen. Sigismund,welcher nun die Kräfte des vereinigten Polens und Lithauens zu seinerVerfügung hatte, fand Anfang 1507 die damaligen Zustände in Russlandsehr günstig zur Erneuerung des Krieges mit Russland. Der Feldzuggegen Kasan war unglücklich ausgelaufen (s. unten), und Wassiljiniusste grosse Anstrengungen machen, um seine Angelegenheiten sowohlim Osten, wie im Süden zu ordnen, wo Mengli-Ghirei geneigt war,einerseits seinem Stiefsohn, dem kasanschen Zaren Mahmet-AminjHülfe zu leisten, und andrerseits — mit Lithauen gemeinschaftlich gegenRussland zu operiren ;s. unten). In Folge dessen beschloss der Reichs-tag zu Wilna am 2. Februar 1507 , zu Ostern Truppen zu sammeln, da-mit Wassilji nicht durch einen Einfall in Lithauen ihnen zuvorkäme.Sigismund aber gab Plettenberg Nachricht von der Zusammen-ziehung lithauischer Truppen zu Ostern, wie auch davon, dass Krymund Kasan bereit seien, gleichzeitig mit ihnen Wassilji anzugreifen.Zu Letzterem schickte er Gesandte, um dessen Lage, Stimmung und Ab-sichten zu erforschen. Aber diese Absichten hatten sich in Nichts geän-dert, ja sie waren noch weitergehend: Wassilji war nicht nur nichtWillens die von seinem Vater gemachten Eroberungen an Lithauenzurück zu geben, sondern beabsichtigte auch noch Kiew und Volhynienzu erwerben, und dann die übrigen ehemals russischen südwestlichenund nordwestlichen Provinzen von Lithauen. Da nun aber Sigismundim Gegentheil fest entschlossen war, alle durch Johann III. und'dessen