382 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum clreissigjährigen Kriege etc.
Der livonische Orden, der Johann' s Macht und seine eigene Ohn-macht kannte, vermochte nicht mit Gewalt der Waffen dafür Rache zunehmen, ehe nicht ein neuer Bruch zwischen Alexander und Johanndem Orden Hoffnung auf Erfolg bei einem Kriege mit Letzterem erweckthatte. Im Jahre 1501 war Walther von Plettenberg Ordens-Hochmeister, ein weiser Regent und tapferer kluger Feldherr; dieserschloss mit Alexander ein Bündniss und erklärte Johann den Kriegdurch Gefangennahme von pskowschen Kaufleuten im Gebiete des Or-dens. Er hatte ein kleines Heer beisammen (4000 Reiter und einige Tau-send Mann Fussvolk und bewaffnete Bauern), aber es war gut geschultund mit starker Artillerie versehen; mit diesem Heere drang er im Som-mer 1501 in die Provinz Pskow ein und verwüstete Alles mit Feuer undSchwert. Auf Ansuchen der Pskowiten schickte Johann ihnen dieWojewoden Fürst Wassilji Schuiski und Daniel Zenko mit denmoskauischen, twerschen und nowgorodschen Truppen. Lange wagtenes diese Wojewoden gar nicht, grade auf Plettenberg los zu gehen,endlich aber, als Johann ihnen dies direkt befohlen hatte, zogen sieauf Isborsk, in einer Stärke (nach livonischen Chronisten) von 40000Mann und Artillerie. 10 Werst von Isborsk, an dem Siriza stiessen sieauf Plettenberg, die Pskowiten eröffneten den Kampf mit ihm undwandten sich bald zur Flucht, nachdem sie ihren Bürgermeister imKampfe verloren hatten. Dieses und mehr noch die Ueberlegenheit derlivonischen Artillerie , an Zahl und Feuerwirkung, über die russische,brachte Unordnung und Verwirrung in das russische Heer, welches vonPlettenberg total besiegt wurde. Am Tage daraufzog dieser nachIsborsk, dessen Einwohner ihre Vorstadt selber anzündeten und sich zurWehre setzten. Nun begann Plettenberg das Land bis zur Welikajazu verwüsten; am 7. September nahm und verbrannte er Ostrow, wobei4000 Menschen in den Flammen umkamen. Von da kehrten die Livlän-der nach Isborsk zurück, blieben 1 Nacht davor liegen und zogen amandern Tage ab, unter Zurücklassung eines Heerhaufens im Hinterhalt.Als nach ihrem Abzüge die Einwohner von Isborsk die Stadt verliessenund sich in dem gewesenen Lager der Livonier zerstreuten, fielen derLetzteren Truppen aus dem Versteck über sie her und machten sie nie-der oder gefangen. Plettenberg wollte Pskow belagern, mit denLithauern gemeinschaftlich, welche nach Opotschka gekommen waren,umsste aber nach Livonien eilen, weil unter seinen Truppen eine Blut-ruhr ausbrach, an welcher er selbst erkrankte. Johann aber schickteein neues Heer und ein tatarisches Corps unter dem Wojewoden FürstAlexander Ob olenski. Im späten Herbste, nicht achtend der Regen-güsse , schlechten Wege und ausgetretenen Flüsse, verheerte das rus-sische Ratj die Umgegend von Derpt, Neuhaus und Marienburg. Die