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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Beruerkensvertheste Kriege und Feldziige. 381

sendete ihnen seinen Wojewoden mit Truppen, welche dann mit denPskowiten gemeinschaftlich in die Jurjewer oder Derptsche Provinzzogen, ein livonisches Schloss mit stürmender Hand eroberten, viele Ge-schütze nebst Pulver und Kriegsbeute daraus fortführten und es dann denFlammen übergaben. Dann ging es weiter nach Derpt, das zwar nichteingenommen wurde, aber die Umgegend wurde schrecklich verwüstet,viele Gefangene (Tschuden) und ungeheure Beute nach Pskow und Mos-kau fortgeschleppt. Kaum aber waren diese abgezogen, so rächte sichder Hochmeister Bernhard von der Borch durch einen Angriff aufIsborsk, das er nicht bekam, dessen Umgebung er aber mit Feuer undSchwert verheerte. Die Pskowiten brachen aus der Stadt hervor, stiessenan dem See mit den Livländern zusammen, nach kurzem Scharmützelder Vortruppen trennten sich jedoch beide Heere ohne Kampf. Aber imSommer 1430 drangen die Livoniervon Neuem in das pskowsche Grenz-gebiet ein und begannen die Städte nieder zu brennen, wobei in Kobylj4000 Menschen verbrannten. Im August erschien der Hochmeister selbstmit der gesammten Macht des Ordens (nach livländischen Quellen an100000 Mann, aber grösstentheils schlechtbewaffnete und ungeordneteHaufen von Landleuten) vor Isborsk, beschoss es mit Geschütz und ver-suchte mittelst Kähnen auf der Welikaja es zu nehmen, aber erfolglos.Die Pskowiten vertrieben sie, nahmen ihnen die Kähne ab und zwangenschliesslich den Hochmeister die Belagerung aufzuheben und abzuziehen.Um sich an den Livländern zu rächen, schickte Johann die WojewodenFürst Bulgak und Obolenski mit 20000 Mann moskauischer nebstpskowschen und nowgorodschen Truppen nach Livland. Ende Febr. 14S1gelangten diese nach Marienburg, Derpt und Walk. 4 Wochen verbliebensie in Livland ohne den Feind im Felde zu treffen, nahmen Fellin undTarwast, und machten viele Gefangene und reiche Beute. Im Jahre 14S2schlössen die Livländer einen 10jährigen Waffenstillstand, und als dieseFrist abgelaufen war, lies (1492) Johann an der Grenze gegen Narwaauf dem rechten Ufer der Narowa eine steinerne Festung mit hohenThürmen erbauen, die nach ihm Iwangor od genannt wurde. DieLivländer schlugen einen Waffenstillstand auf weitere 10 Jahre vor, derVertrag darüber ward 1493 unterzeichnet. Aber schon im selben Jahrebegannen erneute Feindseligkeiten von beiden Seiten. Johann forderteGenugthuung, die ihm aber verweigert wurde, und schloss nun ein Bünd-niss mit dem König von Dänemark, dem Feinde der Hansa, welcherseine Unterstützung für einen Krieg gegen Schweden in Aussicht stellte,wofür aber Johann gegen die hanseschen Kaufleute in Nowgorod vor-gehen sollte. Im Jahre 1495 liess Johann wirklich, unter dem Vor-wande, dass sie die Bedingungen nicht erfüllt hätten, 44 livländischeKaufleute ergreifen und einsperren und ihre Waaren nach Moskau führen.