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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege imd Feldziige. 371

alle Fälle Maassregeln zum Schutze vou Moskau anordnete, wenn schondiese zum Theil vorzeitige waren. So schickte er die GrossfürstinSophia mit dem Kronsschatze nach Bjeloosero, und gab dem Statthaltervon Moskau Fürsten Iwan Jurjewitsch Patrikjäjew Befehl dieVorstadt von Moskau abzubrennen. Die Chronisten bezeugen, dass indieser Zeit einige der ihm näherstehenden, reichen, selbstsüchtigen undübelgesinnten Leute, mehr auf ihr eigenes als des Vaterlandes Wohl be-dacht, besonders seine ersten Bojaren Oschtschera und Mamon oderM a m o n o w, ihm gerathen hatten nicht gegen die Tataren zu ziehen,sondern sich nach Norden in ungefährdete Orte zu begeben; Andere da-gegen, die erhebliche Mehrheit aus allen Klassen, besonders derrostowsche Erzbischof Wassian und die Geistlichkeit, waren derMeinung, dass Johann mit dem Heere an der Grenze bleiben und dieTataren nicht diese überschreiten lassen solle. Dessen ungeachtet fuhrJohann in Vertheidigungs- und Schutzmaassregeln fort, da er einenKampf und ein möglicherweise grosses Blutvergiessen (wie in der Schlachtvon Kulikowo) zu vermeiden, und die Resultate der Aktionen vonMengli-Ghirei undNosdrowaty abzuwarten wünschte. Dieses Zö-gern und Warten erregte in Moskau immer steigende Unzufriedenheit,man beschuldigte Johann der Schwäche, Unentschlossenheit, sogarder Angst und Feigheit, sein Verhalten, das von so grosser Festig-keit in der Ausführung seines Planes zeugte, wurde von der Masse nichtverstanden. Vor der öffentlichen Meinung sich beugend, erschien er end-lich am 30. September von Kolomna aus in Moskau, um mit seiner Mutter,dem Metropoliten Gerontji und den Bojaren Raths zu pflegen; vomVolke ward er mit Murren, von Wassian sogar mit heftigen Vorwürfenempfangen. »Warum fliehen wir den Tod und die Tataren?« sagteWassian, »gieb mir, dem Greise, ein Heer in die Hand, und Du wirstsehen, ob ich den Nacken vor ihnen beuge!« Die Chronisten berichten,dass Johann, den Unwillen des Volkes sehend, sogar nicht den Kremlbetrat, sondern 2 Wochen in Krasnoe Selze bei Moskau zubrachte, wohiner auch seinem Sohne Johann von der Ugra zu kommen befahl. Dieseraber gehorchte nicht, indem er erwiderte: »ich werde hier sterben, ichkomme nicht«.

Inzwischen war Achmat am 8. Oktober zum rechten Ufer der Ugragerückt, auf dessen linkem Ufer die russischen Heerhaufen des Brudersund Sohnes von Johann, auf einer Ausdehnung von 60 Werst standen.4 Tage lang (S.11 Oktober) beschossen sich die feindlichen Heere überden Fluss, die Russen mit Pfeilen und Gewehren, deren sichere Schüsseden Tataren grossen Schaden thaten. Letztere versuchten, heimlich dieUgra zu überschreiten, aber Johann's Sohn entdeckte diese Absicht beiZeiten und vertrieb die Tataren mit grossem Verluste vom russischen