Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 369
ihm geschehen, wenn er mich nicht in Ruhe lässt«. Viel wahrschein-licher (nach Solowiew) ist die andere Version, dass die hochmüthigeSophia, Nichte des ehemaligen byzantinischen Kaisers, beständigJohann zuredete, seine schimpfliche Abhängigkeit von den Steppen-barbaren , die sich in der Zahlung von Tribut an sie ausdrücke, zu zer-reissen. Jedenfalls steht fest, dass Achmat sehr unzufrieden mit Jo-hann war und ein Biindniss mit Kasimir von Lithauen schloss, ummit ihm zugleich im Jahre 1480 mit allen Kräften aus der Horde zumDon und Oka, resp. Kasimir aus Lithauen zum Grenzfluss Ugra, unddann auf Moskau zu rücken. In Folge dessen berief A chmat seine ganzeHorde zusammen, so dass in den Clussen nur die Greise, Weiber undKinder zurückblieben, und brach im Juni 1480 von der unteren Wolgazum oberen Don auf, in langsamen Märschen, um Kasimir's Eintreffenabzuwarten.
Johann traf auf die Kunde von Achmat's Einfall Maassregeln,die man rühmen muss, obgleich sie von den Zeitgenossen nicht genügendanerkannt zu sein scheinen. Um Kasimir aufzuhalten, setzte er seinenVerbündeten, den Krym-Khan Mengli-Ghirei, gegen ihn in Bewegung,und gegen Achmat brachte er ein zahlreiches Heer an der Oka, in Ta-russ, Serpuckow und Kolomna zusammen und ordnete rein defensiveMaassregeln an; um Ach mat zur Rückkehr in die Horde zu veran-lassen, schickte er auf Schiffen die Wolga hinab Truppen, welche Ach-mat's unbeschützte Ulusse zerstören sollten. Betrachten wir dieseMaassnahmen jede für sich.
In der Krym waren nach dem Tode von Chadshi-Ghirei (1467),dem Enkel Tochtarn ysch's, zwischen dessen beiden Söhnen, Nor-dou 1 at demAelteren, undMengli-Ghirei dem Jüngeren Zwistigkeitenausgebrochen und hatte der Letztere Ersteren vertrieben, welcher nachLithauen floh und an Kasimir einen Beschützer fand; Achmatabernährte eine angeborne Feindschaft gegen die Nachkommen von Tochta-mysch. Johann hatte schon im Jahre 1478 Mengli-Ghirei ein Offen-siv-Defensiv-Bündniss angetragen, gegründet auf die beiderseitigen Inte-ressen. Mengli- Ghirei, rechts und links von Feinden bedrohtund einesAnhaltes bedürftig, nahm Johann's Antrag mit Freuden auf, schloss einenges Biindniss mit ihm, dem er auch bis zu Johann' s Tode treu blieb,und war stets bereit, auf das erste Wort von Johann bald gegen Li-thauen , bald gegen die Horde sich zu wenden. So auch im Jahre 1480brach er auf die erste von Johann ihm zugehende Mittheilung vom An-griffe Achmat's sofort mit seiner ganzen Macht nach Podolien auf.Kasimir, hierdurch beunruhigt und ohnehin zu einem entscheidendenKriege mit Johann weder geneigt noch im Stande, und nur von Ach-mat dazu aufgewiegelt, Hess in Folge dieses Einfalls von Mengli-