Bemerkenswertlieste Kriege und Feldzüge. 357
Werst. Ihr andrer Heerhaufen, aus 1500 Freiwilligen bestehend, hattesich nach Norden zur Ljuta, Zufluss der Pljussa, gewendet und wurdevon den Nowgorodzen besiegt, welche ihn plötzlich angriffen, dann aber,von der Niederlage an der Schelonja hörend, zurückflohen.
Johann, welcher bei Jashelbiz, 120 Werst von Nowgorod, denSieg an der Schelonja erfuhr, wandte sich südlich nach Denion (heuteDemjonsk) und von da, als er dies schon in den Händen des WereiskerFürsten fand, nach Kussa, in das er am 24. Juli einzog. Hier erwarteteer die nowgorodschen Abgesandten mit der Erklärung ihrer Unterwerfung,erfuhr aber statt dessen, dass Nowgorod in seiner Widerspenstigkeit be-liarrte. Unerachtet ihrer Misserfolge und der Aussichtslosigkeit ihrerHoffnung auf Hülfe von Kasimir und dem livländischen Orden griffendie Nowgoroder bei der Kunde von Johann's Einzüge in Russa zu er-neuten energischen Maassregeln zu hartnäckiger Vertheidigung vonNowgorod und brannten die Vorstädte nieder, während indessen auchder Hader zwischen den Parteien — für Moskau oder für Lithauen —heftiger wurde. Bald jedoch gewannen sie die Ueberzengung, dass einlanger Widerstand unmöglich sei, und so schickten sie endlich ihrenWladyka (obersten Geistlichen) Theophilus nebst Magistrat und Geist-lichkeit mit der Bitte um Verzeihung an Johann, welcher schon bei derMündung der Schelonja an der Korostyna stand. Johann übte Gnade,liess die Verwüstung einstellen und gab Nowgorod Frieden nachalter Art, liess sich aber 15000 Rubel zahlen, ausser dem, was alsGeschenke für ihre Fürsprache im Interesse von Nowgorod an seineBrüder und die moskauischen Fürsten, Bojaren und Wojewoden gegebenwurde. Durch den Vertrag »nach alter Art« waren die Nowgoroder ver-pflichtet, sich nicht von Moskau loszusagen, nicht mit Lithauen zu ver-einigen, und Joh ann zu gehorchen. Während aber die Unterhandlungenhierüber noch schwebten, war ihr Wojewode Fürst Schuiski mit 12000Mann an der Düna auf Johann's Wojewoden Obrasez gestossen,welcher kaum 4000 Wjätschen bei sich hatte, und es war ein heisserden ganzen Tag währender Kampf zwischen ihnen entbrannt. Auf bei-den Seiten fochten die Truppen mit ausserordentlicher Ausdauer undErbitterung: 3mal wurden die Fahnenträger des nowgorodschen Bannersgetödtet, beim 3. Mal bemächtigten sich die Wjätschen dieser Fahne unddie Nowgorodzen ergriffen die Flucht, mit ihnen der verwundeteSchuiski. Auf der andern Seite hatte der Wologodsker Wojewode vonJohann's Bruder Andreas Menschoian der Kokschenga gekämpft.Johann gab die Sawolotschje an Nowgorod zurück, die Nowgoroderdagegen mussten alle von ihnen fortgenommenen Bezirke des Gross-fürsten und der rostowschen Fürsten herausgeben.
Mit der Demüthigung Nowgorod's sich begnügend, liess Johann
Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. 2-1