Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 351
Vieh fort, zündeten die Ortschaften an, und nach 4—5 Stunden zogen sieweiter zu ihrem Heere zurück, und von da wurden 2 neue Flügel ausge-sendet. In dieser Weise ging das Plündern unaufhörlich und syste-matisch weiter.
Alle ihre Bewegungen hierbei geschahen im Schritt, vorwärts wiezurück, um nicht sich und die Pferde zu sehr zu ermüden und zur Ab-wehr eines etwaigen feindlichen Angriffs gerüstet zu sein. Da aber dieseBewegungen Tag und Nacht fortgesetzt wurden, mit Ausnahme vonkurzen Rasten nach jeder Zeitstunde, wie oben bemerkt, so war es docherklärlich, dass die Tataren binnen 24 Stunden auf ihren räumig aus-schreitenden Pferden bedeutende Entfernungen zurücklegten. Um Ver-folgungen zu entgehen, kehrten sie niemals auf demselben Wege zurück,und wenn der Feind sie angriff, so verhielten sie sich nur defensiv, selbstwenn sie ihm an Zahl sehr überlegen waren. Nach der Heimkehr in ihreunbewohnten Grenzsteppen wurde zunächst eine lange Ruhe gewährt,oder falls sie durch Zusammenstoss mit dem Feinde auseinander ge-rathen waren , so ordneten sie sich von Neuem. Diese Zeit wurde dannauch zur Theilung der Beute benutzt, mit den Gefangenen unmenschlichgrausam verfahren.
Wenn sie im Sommer einen Zug unternahmen, so geschah das mithöchstens 10—12000 Mann, um nicht zu sehr bemerkt zu werden. Auf80—100 Werst von der feindlichen Grenze theilten sie sich in 10—12Corps zu 1000 Pferden. Die eine Hälfte dieser Abtheilungen ging rechts,die andere links, jedes Corps 4—G Werst von dem andern entfernt.Etwa 4 Werst vor der Avantgarde befanden sich Wach- (Sicherheits-)Patrouillen. Alle Abtheilungen gingen nicht in gerader, sondern inkrummer Linie, immer näher an einander, um an dem bestimmten Tagesich au dem allgemeinen Sammelpunkt einzufinden; die Trennung er-folgte, um ihre wirkliche Stärke vor den Kasaken zu verbergen.
Beim Einrücken in das feindliche Land hielten sich die Tataren aufder Höhe zwischen 2 Flussläufen, indem sie die Quellen von deren klei-nen Zuflüssen aufsuchten. Wenn sie auf keinen Widerstand stiessen, soplünderten sie in derselben Weise wie zur Winterszeit, wagten sich abernicht weiter als 25—40 Werst in das Land und hielten sich höch-stens 10 Tage darin auf, dann kehrten sie mit der Beute in ihre Steppenzurück.
Die Budshaker, freie Tataren, weder dem Krym-Khan noch demtürkischen Sultan unterworfen, in den Steppen von Budshak lebend,zwischen den Mündungen des Dnjepr und der Donau (im 17. Jahrhundert20000 Mann) waren noch kriegerischer, muthiger und verwegener, alsdie Krymschen. Die Steppen zwischen Budshak und Ukraine warengewöhnlich mit 8—10 Tatareucorps ä 1000 Mann auf 40—50 Werst