352 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreißigjährigen Kriege etc.
Entfernung von einander besetzt. Wenn die Kasaken in diese Steppeneindrangen, so thaten sie es stets unter Deckung durch ihren Tabor(oder der Fahrzeuge); sobald sie der Tataren ansichtig wurden, formir-ten sie den Tabor und fielen über die Tataren her. Entdeckten Letzterezuerst die Kasaken, so griffen sie rasch und unvermuthet deren Tabor anund brachten ihnen eine Niederlage bei.
Um der Verfolgung zu entgehen und den Feind zu täuschen, theil-ten die Tataren z. B. 400 Mann in Haufen zu 100 Mann, welche sienach allen 4 Himmelsrichtungen entsendeten bis zu 6 Werst Abstandvom Centrum. Diese Ssotnien theilten sich wieder in 3 Theile undgingen nach verschiedenen Seiten auseinander, 2 Werst weiter er-neute Theilung in 3 Theile, bis nur noch 10—11 Mann zusammenwaren. Dies Alles geschah sehr schnell, denn Alle kannten dies ebensogenau wie das Steppenterrain. Auf den bestimmten Tag fanden sich allean dem allgemeinen Sammelpunkte ein.
Wie alle Steppenbewohner waren die Tataren ausserordentlichweitsichtig und hatten ein scharfes Gehör. Beim Zusammenstoss mitdem Feinde bei Auf- oder Untergang der Sonne suchten sie diesehinter sich zu haben. Wenn der Feind sie angriff und sie ihn nicht ab-zuwehren vermochten, stoben sie rasch nach verschiedenen Seiten aus-einander , im vollen Jagen ihre Pfeile nach rückwärts mit Sicherheitentsendend. Nachdem sie 1—2 Werst fortgeeilt waren, schlössen siesich von Neuem zusammen und griffen den Gegner in geschlossenenMassen an, um — geworfen — dasselbe Spiel zu wiederholen, bisder dadurch ermüdete Feind zum Bückzuge gezwungen war. Aberdas geschah nur im Falle erheblicher numerischer Ueberlegenheit:andernfalls kehrten sie nach Abgabe eines Schusses nicht wiederzurück.
Bemerkenswerth ist das Geschick, mit welchem sie im Sommer diebreitesten und reissendsten Ströme schwimmend passirten. Nachdemvor Allem die zum Hinabschreiten in den Fluss und zum Anlandengeeignetsten Uferhänge ausgesucht waren, brachten sie Schilf zusam-men, machten daraus 2 Bündel von 3 Fuss Länge und 10—42 ZollDicke, verbanden diese mit 1 Fuss Zwischenraum durch 3 Querhölzer,befestigten sie durch Kreuzhölzer von Winkel zu Winkel, banden siedann an die Schwänze der Pferde, legten auf dieses schwimmendeFloss den Sattel, ihre Kleider und Waffen, und schwammen dannnackt, die Peitsche in der einen Hand, mit der andern sich an derMähne des Pferdes haltend, das sie durch den Fluss trieben und lenkten,durch die Gewässer; von früh an wurden sie und die Pferde an diesesVerfahren gewöhnt.
Es ist hieraus ersichtlich: I) dass die Kriegs-Sitten und Gebräuche