350 III. Vun Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Ahle (Pfrieme), und 5 Ssashen*) Stricke aus Rindssehnen (also auchganz wie bei den Mongolen Dshingiskhan's), um Gefangene u. s. w.damit zu binden. Nur die Wohlhabenden trugen Panzer. Ihre Kleidungwar äusserst einfach, Kaftan im Sommer, im Winter mit Pelz und Pelz-mützen, ihre Nahrung höchst dürftig, Pferdefleisch, Hirse, Kumüss (ge-gohrene Stutenmilch) u. s.w. Ihre Züge führten sie gewöhnlich zurWinterszeit aus (gleichfalls wie beiDshingiskhan), wenn Flüsse, Seenund Sümpfe mit Eis bedeckt, den raschen Bewegungen kein Hindernissboten. Ihre Pferde beschlugen sie nicht (nur die Vermögendsten wendetenstatt der Hufeisen Hörn von Rindern an , welche an der Haut über demHufe befestigt wurden) und scheuten sie deshalb schneefreie Winter undGlatteis. Ein Tagemarsch wurde nicht über 24 Werst ausgedehnt. IhreEinfälle berechneten sie so, dass sie bis zum Aufgehen des Eises von denFlüssen u. s. w. wieder in ihren Ulussen zurück sein konnten, und führtensie alle in den 3 Wintermonaten aus. Sie wählten ihren Weg in Muldenund Vertiefungen, um von den Kasaken unentdeckt zu bleiben, beobach-teten die äusserste Vorsicht, schickten Patrouillen nach allen Seiten aus,um Gefangene zu machen, und zündeten Abends kein Feuer an. Ihrekleinen Abtheilungen bestanden aus 100 Reitern und 300 Pferden, wo-von je 2 Handpferde für den Reiter. Ihr Heer von 80000 Reitern hattealso über 200000 Pferde, und diese ganze Masse glich von ferne eineram Horizont heraufziehenden Wolke, welche sich herannahend immermehr ausbreitete. Nach jeder Stunde Marsch machten sie 1 / 4 StundeHalt, um die Pferde nicht zu ermüden. Waren sie bis auf 1 oder '/ 2Tagemarsch der feindlichen Grenze nahe gekommen , so verblieben sie2—3 Tage in einem ungefährdeten Versteck und bereiteten sich zumEinfall vor. Ihre Kräfte wurden in 3 Heerhaufen getheilt, von welchen2 die Hauptmacht bildeten, der 3. je zur Hälfte den rechten und linkenFlügel ausmachte. In dieser Ordnimg überschritten sie die Grenze undblieben Tag und Nacht im Vorrücken, nur 1 Stunde rastend. um diePferde weiden zu lassen, und mit dem Plündern begannen sie erst, wenndas Innere des Landes erreicht war, welches sie dazu bestimmt hatten.Auf dem Rückwege detachirte der oberste Führer die beiden Flügel nachallen Seiten bis auf 30, 40, 50 Werst. Jeder derselben, 8—10000 Mannstark, theilte sich strahlenförmig in 10 oder 12 Abtheilungen zu 800—000 Mann. Diese Corps warfen sich ungestüm auf die Dörfer, umstelltensie mit 4 Wachen und zündeten Nachts grosse Feuer an, damit keinerder Bewohner durch die Flucht entkommen könne , und dann begannensie zu plündern, schlugen die Widerstand Leistenden nieder, nahmendie Andern gefangen, sogar die Weiber und Kinder, trieben Pferde und
Ssashen \Faden) = ca. 7 Fuss Länge. Anm. d. Uebers.