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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 349

Baschkiren, und durch die Stärke der Festungswerke seiner Haupt-stadt Kasan. Die Unbestimmtheit über die Ordnung in seiner Thron-folge war die Ursache zu häufigen inneren Unruhen und Fehden, welchevon den Nachbarn, den moskauischen Herrschern und den Nogaien- undKrym-Khans, ausgenutzt wurden, um Einfluss auf Kasan Zugewinnen.Die Kasanzer aber behaupteten ihre Unabhängigkeit und leisteten mehrdenn einmal in dem Kampfe gegen Jene hartnäckigen Widerstand,führten aber auch ausserdem unaufhörliche Raubzüge in ihr Gebiet aus.

Das Astrachansche Reich, in dem Wolga-Mündungs-Lande nachdem Untergange der Goldenen Horde Achmat's gegründet, stand wederan Macht noch an numerischer Stärke, noch an kriegerischem Sinn seinerBewohner dem von Kasan gleich. Von Nogaien und Krymschen bedrängt,suchten die Zaren von Astrachan Verbündete bald bei den Beherrschernvon Moskau, bald bei den türkischen Sultanen, und standen zu den Elfte-ren bald freundlich, bald feindlich.

Das Krym-Reich endlich, seit Mengli-Ghirei's Zeiten, des Zeit-genossen von Johann III. und Mohamed IV. , von Letzterem zur Würdedes Krym-Khan ernannt, von der Pforte abhängig, war der wichtigsteCentralpunkt der Tataren. Hier hatten sich alle die Eigenschaften ihrerVorfahren zu Baty's Zeit erhalten, ihr kriegerischer Geist, ihre Neigungzu Raubzügen. Von diesen allein lebend, überfielen, plünderten undberaubten sie beständig und ohne Schonung die südlichen Provinzen vonPolen, Lithauen, Russland, wie die Gebiete der Nogaien, Astrachanzerund Kasanzer. Unersättlich in ihrer Habgier, schonten sie nur die,welche sich von ihnen loskauften, waren aber grausame Feinde allerderjenigen, welche ihnen wenig oder nichts zahlten. Für das russischeZarenreich speziell waren sie 3 Jahrhunderte lang die schlimmsten Feinde.

Das öffentliche und das Kriegs-Wesen aller dieser wilden und räube-rischen Tatarenhorden hatte seit Baty's Zeit keine oder nur geringe Ver-änderungen erlitten, und nicht allein bisher, sondern auch in der Folge-zeit. Das Werk von Beauplan 7 ): »Description de TUkraine (1650)«giebt uns einen Begriff von den Krymschen und übrigen Tataren zu jeuerZeit, wie auch vordem und nachher. Er erzählt, dass die Krym-Tatareusehr gewandt und tapfer zu Pferde kämpften, obgleich sie sehr hässlichdarauf sassen, mit hohen Sätteln, kurzen Steigbügeln und hochgezogenenFüssen. Ihre Waffen bestanden in Säbeln, Bogen und 1820 Pfeilenim Köcher, und einem Messer im Gürtel, nebst Feuerstahl, und einer

*) Beauplan war ein französischer Ingenieur, der um die Mitte des 17. Jahr-hunderts 17 Jahre lang im polnischen Dienste sich hauptsächlich in deij Ukraineaufhielt, welche er genau kannte und beschrieb, ebenso wie das Kriegswesen derKrym- und der Budshak-Tataren.