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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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348 HI- Von Einführung' clor Feuerwaffen bis zum dreissigjälnigen Kriege etc.

scharen kämpften mit ausserordentlicher Tapferkeit und Müth, aber beider geringsten Unzufriedenheit mit der Regierung oder ihren Offizierenwenn ihre Forderungen nicht erfüllt wurden, ihr Gehalt nicht rechtzeitigoder gar nicht ausgezahlt wurde u. s. w., so rissen sofort alle Bande derDisziplin und Subordination, brachen heftige Aufstände aus und wurdendie furchtbarsten Ausschreitungen begangen. Die kriegerischen Sultanedes J5. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bändigten durch ihreEnergie noch diese meuterische Truppe. Aber nach Suleiman's II.Tode, unter den schwachen unfähigen Sultanen, welche ihm nachfolgten,bei der steigenden Entnervung und Sittenverderbniss, den zunehmendenMissbräuchen der Regierenden, kannte die Zügellosigkeit und Meutereider Janitscharen keine Grenze und keiu Hinderniss mehr, und diesesUebel nahm in erschreckendster Schnelligkeit zu, damit zugleich ver-mehrten sich natürlich auch die verschiedensten Unordnungen und Des-organisationen im Janitscharen-Heere. Dem Dienste und den Feldzügen,besonders den entfernteren, sich entziehend, nahmen die Janitscharen alsihre Stellvertreter Jamaki (Freiwillige) aus der Hefe des Volkes an,und auch unter den Oturaki befanden sich eine Menge von Faulenzern undTaugenichtsen, welche die höchsten Sätze der Janitscharen-Besoldungfür sich zu erlangen wussten,nicht durch Dienste und Auszeichnungen,sondern durch Kriecherei, Betrügerei oder andere verwerfliche Mittel.Mit dem 17. Jahrhundert beginnt die vollständige Desorganisation undder gänzliche Verfall der Janitscharen.

Das Beispiel der Janitscharen war, sehr begreiflicherweise, an-steckend und verderblich für das gesammte türkische Heer überhaupt,welches seit Ende des 16. und besonders Anfang des 17. Jahrhundertsrasch sittlich und militärisch dem Verfall entgegenging. Indessen wares selbst in seinem Verfalle noch lange ein Schrecken für die Feinde derTürkei, ein Beweis wie kriegerisch der Geist und Charakter des tür-kischen Volkes war, und wie vortrefflich und wie sehr diesem angepasstdie ursprüngliche Grundlage der Kriegs-Organisation des Staates über-haupt und der Truppen im Besonderen gewesen sein muss.

§. 181.Tataren.

Die Trümmer des Ungeheuern von Baty gegründeten Reiches hattensich um diese Zeit in Kasan, Astrachan und der Krym concentrirt.

Das Kasansche Reich, räumlich auch sehr ausgedehnt (zwischenWolga, Kama, Samara und Uralgebirge), war reich bevölkert, wohl-habend durch Handel, mächtig durch den kriegerischen Sinn seiner Be-wohner, der Tataren, Tschuwaschen, Mordwen, Tscheremissen,Wotjaken,