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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 347

sie bestanden: 1) aus dem Centram oder Hauptbeer, 2) aus dem rechten,3) dem linken Flügel, 4) der Avantgarde, und 5) der Reserve '). DenKampf begannen die türkischen Truppen gewöhnlich mit heftigemSchiessen von Pfeilen, später aus Gewehren, in zerstreuter Ordnung,dann machten sie heftige Angriffe in grossen dichten geschlossenenMassen, die blanke Waffe in der Faust, wobei den Feind zu umfassenund zu umzingeln gestrebt wurde, um ihn durch die überlegene Zahl zuerdrücken. Die Spahi's, Siligdari und andere Arten regulärer Cavalleriefochten ganz wie die schwerbewaffnete west-europäische Cavallerie des14. 15. und 16. Jahrhunderts, und zugleich nur in grosser Schlachtord-nung (bataille rangee).

Das gesammte Kriegswesen der Türken stand auf niedriger Stufe,wie bei allen asiatischen Völkern. In Betracht kam nur: persönlicherMuth und Tapferkeit, numerische Stärke, Macht des Choc, und Kriegs-listen eigentliche Kunst niemals, oder doch höchst selten. Diebe-ständige , beliebte und tief eingewurzelte Regel der Türken war, alleihre Kräfte stets geschlossen beisammen zu halten, mit der ganzen con-centrirten Macht zum Angriff zu schreiten und den Gegner mit Ungestümin grossen Massen von allen Seiten anzugreifen, die blanke Waffe in derHand. Dieser Art des Verfahrens verdankten die Türken ihre häufigenund entscheidenden Siege über die europäischen Heere, welche zwarbesser organisirt waren, aber dem gewaltigen Anprall der Türken nichtzu widerstehen, noch auch ihnen gleichstarke Massen entgegen zu stellenvermochten.

Was den Geist der türkischen Heere und ihre militärische Ordnunganbelangt, so waren diese, im Allgemeinen, bis zum Tode Suleimans II.des Grossen (15(56) vortrefflich, von da ab verfielen sie allmählich undverschlechterten sich. Die ersten Emir s und Sultane, besonders MuradL,Murad IL, Mohamed II. und Suleiman IL. hielten mit Strenge aufOrdnung und Disziplin, Vergehungen dagegen wurden nicht nur an denEinzelnen, sondern häufig an ganzen Truppentheilen geahndet. Trotz-dem begann unter den Janitscharen schon bald nach ihrer Errichtung sichder Geist der Zügellosigkeit und Empörung, der Unordnung und Un-disziplin zu regen. Die Hauptquelle dieser Missstände waren die Frei-heiten und Vorrechte, welche man den Janitscharen verliehen hatte, undwelche von ihnen selbst im Laufe der Zeit erweitert und vermehrt wordenwaren, dann aber auch dies, dass man nicht nur Handwerker, Gewerbe-treibende und Handelsleute, sondern auch Männer aus dem niederstenVolke und Pöbel unter die Zahl der Janitscharen aufnahm. Die Jauit-

*) Diese Eintheilung des türkischen Heeres beweist, dass die ihr ähnliche derRussen gleichfalls asiatischen Ursprungs sein muss.