346 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
(1566—74) traten noch 8 Tufenkdshi (oder Musketiere) als Bedienungs-mannschaft zu jedem Geschütz.
Bei der Artillerie befanden sich die Artillerieparks oder Fahrzeugederen Bedienungsmannschaft Top-Arabadshi hiess , unter dem Top-Ar abadshi-Bascha stand, übrigens sehr hinter dem Corps derToptschi nachstand, und auf dem Marsch wie im Gefecht nicht selten dieUrsache grosser Unordnungen wurde.
Die Kumbaradshi oder Bombardiere bildeten ein besonderesCorps. S nie im an II. setzte ihre Anzahl auf 300 Mann fest und gabihnen besondere Wichtigkeit und Bedeutung dadurch, dass er anstatt desSoldes ihnen Lehnsgüter verlieh. Bei vielen Gelegenheiten leisteten sieden Türken wichtige Dienste.
Auf gleicher Stufe mit ihnen standen die Laagumdshi oder Mi-neure, welche schon seit alten Zeiten existirten. Die Mineure hattenimmer, lange vor Erfindung und Anwendung des Pulvers und der Feuer-waffen, im Orient eine wichtige Kolle gespielt. Obgleich die Arbeitender türkischen Mineure, von theoretischem Wissen und Vollkommenheitfern, meist ziemlich roh und ungeschickt ausgeführt wurden, so zeugtensie doch von dem Muthe und der Thätigkeit der türkischen Laagumdshiund waren oft von Erfolg gekrönt.
Die Dshebedshi (Waffenschmiede) endlich bildeten gleichsameine besondere militärische Zunft im türkischen Heere, einen unzer-trennlichen Theil des Fussvolks, — sie fertigten alle Arten von Waffen.Ihre Zahl, anfänglich gering (700) wuchs im Laufe der Zeit auf 7000Mann an. Sie gingen zum Kriege mit den Janitscharen gemeinsam,standen unter dem Dshebedshi-Bascha, und bekamen unter Su-leim an II. eine ständige reguläre Organisation.
Die türkischen Truppen waren im Allgemeinen bewaffnet: bis zuMurad'sII. Zeit (1421—51) mit Bogen und Pfeilen, Lanzen, Säbel,Dolch und andern ähnlichen blanken Waffen, — seitMuradIV. undnamentlich Mohamed IL mehr und mehr mit Handfeuerwaffen ver-schiedener Art, kurzen und langen, und sonst wie früher mit Lanze,Säbel, Dolch u. s. w. Bogen und Pfeile, und beim türkischen Fussvolkausserdem auch noch grosse Schilde erhielten sich aber bis zum Endedes 15. Jahrhunderts im Gebrauch.
Ueber Aufstellung und Kampfart der türkischen Heere sind keinezuverlässigen Nachrichten vorhanden. Bekannt ist nur, dass hierbei imAllgemeinen der ursprüngliche asiatische Charakter beibehalten war.Die taktische Haupteintheilung der Truppen war decadisch. Die unter-sten Abtheilungen von 1—50 Mann Messen Dsherid, von 50—1000Mann Ketib, von 1000—4000 Mann Dsheisch, Corps von 4000—12000 Mann Charar oder Chamiss, d. h. in 5 Theile getheilte, denn