Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 345
des linken Flügels (Gurebai-Jessar), jede zu 300—400 Mann.Die Bezeichnung fremdländische Cavallerie oder Ausländer erhielten siewahrscheinlich deshalb, weil sie ursprünglich zum grössten Theil ausarabischen und persischen Flüchtlingen und Deserteuren bestanden.Diese beiden Arten von Cavallerie standen und fochten zu den Seitender Cavallerie des rechten und linken Flügels und wurden im Kriege zuden schwierigsten und gefahrvollsten Aufgaben verwendet.
Diese 6 Arten oder Theile der beständigen regulären Reiterei bildetenden auserlesenen und besten Haupttheil der ganzen türkischen Reitereiüberhaupt, die Wache des Sandshak und die Leibwache des Sultans. ImVerhältniss zur Ausdehnung des Reiches war ihre Zahl nur gering, manmnss daher glauben, dass die Auswahl der Leute eine sehr strenge war.
Die Organisation der Lehnsreiterei wurde schon oben erklärt. Vonden freien irregulären Reiterschaaren bildeten die alten Osman'sAkindshi die leichte Reiterei. welche den Dienst leichter Truppen thatund auch als Parteigänger auftrat, in gesonderten kleinen Corps (Tsche-tedshi oder Tscharkadshi) unter dem Befehl des Tschetedshioder Tscharkadshi-Bascha.
Die türkische Artillerie stand nicht hinter der damaligen europäischenzurück, übertraf sie sogar in mancher Hinsicht. Es wurde bereits er-wähnt, dass die Feuerwaffen bis zur Zeit Murad's IL oder der Mittedes 15. Jahrhunderts sehr langsam Eingang fanden, unter Muradll.in das türkische Heer eingeführt wurden, dann aber seit Muhamed ILausserordentlich schnell sich verbreiteten. Die Handfeuerwaifen undderen Gebrauch vervollkommnete sich rascher, als dies bei den Ge-schützen der Fall war. Letztere waren sowohl in Festungen und beiBelagerungen , wie im Felde gewöhnlich sehr gross, lang und schwer.Gegossen wurden sie meist von Europäern. Die artilleristische Kunststand bei den Türken auf sehr niedriger Stufe, die Toptschi aber (Artil-leristen) gehörten stets zu den besten türkischen Truppen und hatten,besonders unter Suleimanll. in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts,eine ausgezeichnete Organisation, welche in mancher Beziehung die dereuropäischen übertraf. Während die Letzteren noch ein ganz unterge-ordnetes und gering geachtetes Corps bildeten, eine Art Handwerker-zunft, standen die türkischen Toptschi, gleich den Janitscharen, schonobenan in der Zahl der türkischen Truppen, genossen hohen An-sehens , erhielten gute Besoldung und Unterhalt, und waren vortrefflichbekleidet und bewaffnet. Sie waren durch das ganze Reich vertheilt,und standen unter dem Oberbefehl des Toptschi-Bascha, und hatteneinen besondern Inspekteur (Nasir). Die Bedienung eines jedenGeschützes bestand aus: 1) dem Ustä (Feuerwerker), 1 Gehülfe des-selben und 8 Toptschi (Kanonieren). Später, unter Suleimanll.