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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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342 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

übertraf. In der That, während in dieser wie in der folgenden Zeit derKampf aller Elemente im Staate gegen die prädominirende monarchischeGewalt kaum zu erlöschen begann, die Zersplitterung der Kräfte undGewalten vor deren Concentration schwand, Unordnung und Regellosig-keit in Ordnung und geregelte Verhältnisse überging, gelangte dieKriegs-Verfassung der Türkei unter dem Schutze einer festen Regierung,dem politisch-religiösen Ziele 0 s m a n' s wie dem kriegerischen Geistedes türkischen Volkes entsprechend zu einer festen regulären Gestalt ineinheitlichem Sinne, und zu der aussergewöhnlichen Kraft, welche eineder Hauptursachen zu den glänzenden Erfolgen der türkischen Waffenund zu deren ungeheueren Eroberungen war, und welche für geraumeZeit das türkische Volk zu einer Gefahr für ganz Europa machte. Wäh-rend in den christlichen europäischen Reichen die feudale Heeres-Orga-nisation kaum durch die neue, geregelte und dem Einheitsstaate mehrangepasste ersetzt wurde, an die Stelle der Feudalheere, stehende, be-soldete Werbeheere traten, während Fussvolk und Artillerie erst anfingen,an Zahl, Wichtigkeit und Bedeutung zuzunehmen, die Cavallerie abernoch immer die zahlreichste und hauptsächlichste Truppengattung blieb,bestanden in der Türkei die Streitkräfte des Reiches schon zum Theilaus auserlesenen, ständigen und regelrecht organisirten Truppen aufSold, zum Theil aus Landes-Aufgeboten, welche kraft-des Lehnsrechteszum Kriegsdienste verpflichtet waren, gab es im Bestände des HeeresInfanterie, Cavallerie, Artillerie und Ingenieur-Truppen, die alle ingleichem Ansehen standen, und war namentlich Fussvolk und Artillerieunvergleichlich höher angesehen, als in den europäischen Armeen.

Mit dem Tode Suleiman's II. des Grossen (1566) aber schlossdie heroische Periode der Türkei ab und begann eine neue Ordnung derDinge. Unter den schwachen, unfähigen, verweichlichten Sultanen,welche nach Suleimanll. das Reich von ihrem Serail aus regiertenund niemals die Heere persönlich anführten, inmitten der Verderbtheitund der Misswirthschaftder Regierungsgewalten erhielten sich zwar dieGrundzüge der Heeres-Organisation und Einrichtungen unverändert,doch geriethen diese Letzteren allmählich in Verfall, und nur für kurzeZeit erschienen sie, im 17. Jahrhundert bei Murad IV. (162340) inalter Kraft und Glänze.

Während der heroischen Periode der Türkei befanden ihr Heerwesenund Kriegs-Verfassung im Allgemeinen sich in folgendem Zustande:

Die stehende, reguläre Infanterie, den Hauptkern und besten Theilder bewaffneten Kräfte der Türkei bildeten die Jan it sc baren. ImLaufe der Zeit hatte sich ihre Zahl vermehrt (niemals 40000 Mann über-schreitend) und ihre Organisation sich entwickelt, endlich in der 2.Hälfte des 15. und 1. des 16. Jahrhunderts ihre höchste Ausbildung