340 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Hess, wie schädlich und gefahrvoll für die Ruhe und das Wohl der Türkeidie Janitscharen in der Folge noch werden sollten. Auch Mo h am cd II.war ein weiser Regent und Gesetzgeher, der die Kriegsverfassung derTürkei und ihre Armee wesentlich vervollkommnete. Unter ihm ver-hrcitete sich der Gebrauch der Feuerwaffen sehr schnell und trug nichtwenig zu seinen glänzenden Erfolgen und ausgedehnten Eroberungen bei.
Unter Mohamed IL und dessen Nachfolgern: Bajazidll. (1481bisl512),SelimI.(1512— 20)undSuleimanIL,demGrossen(1520—66),d.h. also in der zweiten Hälfte des 15. und der ersten Hälfte des 1 6. Jahr-hunderts erreichte die Kriegsorganisation der Türkei den höchsten Gradder Entwicklung und befand sich im Allgemeinen im folgenden Zustande:
Die bewaffnete Macht der Türkei bestand aus stehenden besol-deten Truppen, aus Landes-Aufgeboten, im Fall eines Krieges vonden Lehens-Gütern gestellt, und aus unorganisirten Freischaaren.
An stehenden besoldeten Truppen gab es: 1) zu Fuss: Janit-scharen, Toptschi (Artilleristen), Top-Arabadshi (Bedienungder Artilleriegeschütze und Parks), Kumbaradshi (Bombardiere),Laagumdshi (Mineure) und Dshebedshi (Waffenschmiede). Dieletzten 5 Truppenarten gehörten zu dem stehenden Fussvolk auf Sohl,und bildeten mit den Janitscharen zusammen den Kern und besten Theildes türkischen Heeres; 2) zu Pferde: Spahi, Siligdary, Ules-sedshani-Seimin (Cavallerie des rechten Flügels), Ulessedshani-Jessar (Cavallerie des linken Flügels), Gurebai-Seimin (fremd-ländische Cavallerie des rechten Flügels) und Gurebai-Jessar (fremd-ländische Reiterei des linken Flügels). Diese 6 Arten von Cavallerie bil-deten die nicht sehr zahlreiche, aber auserlesene und vorzügliche beritteneWache des Sandshak. zu dessen beiden Seiten sie sich in der Schlachtaufstellten und kämpften.
Den numerisch stärksten Theil der türkischen Streitmacht bildetendie Landesaufgebote zu Fusse und besonders zu Pferde. Zu denen zuFuss gehörten die Asaben und die Muselimanen (Moslem, Freie),welche von Abgaben für die ihnen verliehenen Ländereien befreit, dafüraber verpflichtet waren, ohne Sold und auf eigenen Unterhalt zu dienenund zu Felde zu ziehen. Lange rivalisirten diese mit den Janitscharen,bis sie ausschliesslich nur zum Dienst auf der Flotte und in den Grenz-städten verwendet wurden. Die Landesaufgebote zu Pferde bestandenaus bewaffneten Reitern, welche von den Lehns-Gütern (Kylydshi) durchderen Besitzer im Verhältniss zu deren Einkünften gestellt wurden. DieLekns-Güter zerfielen noch , wie früher, in Siameten und Timaren, dieLetzteren ausserdem in grosse und kleine. Die Siameten und grossenTimaren wurden von der Pforte selbst verliehen, die kleinen Timarenkonnten auch von den in den Ejaleth's (s. unten) regierenden Paschas