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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 339

krank waren. Die AnfUlirer dieser Lelms-Eeiterei waren: die S a n d s h a k -Beg'i, d. h. Gutsbesitzer, welche über 100000 Asper jährlichen Ein-kommens hatten, die Binbaschi (Tausender, Führer von 1000 Mann)und die Jusbaschi (Hunderter).

Der ausgesuchte und beste, wenn auch an Zahl ziemlich geringe,Theil der türkischen Cavallerie war die Reiterwache des Sandshak,der heiligen Eeichsfahne.

Ausserdem existirten noch die früheren Osman's Akindshi (Ren-ner) unorganisirte Reiterschaaren, welche gleich dem Fuss-Asabenkein Land besassen, keinen Sold empfingen und auf Raub und Beutedienten.

Die Heeres-Organisation und militärischen Einrichtungen wurdendurch Murad I. nach dem Rathe und unter Mitwirkung des rumilischen(thrazischen) Beglerbeg Timurtasch (Eisenstein) und dann durch Mu-radsl. Nachfolger, die Sultane Bajazidl. llderim (13891402),Murad IL (142151), Mohamed IL (1451 81) und Suleiman IL,den Grossen (152266) erheblich weiter entwickelt. Murad I. theiltedie Güter in grosse und kleine, bildete einen Heerestrain (Woinak), underrichtete (1376) 7000 Spahis oder auserlesene besoldete Cavallerie, zurBewachung des Sandshak. Zur Zeit der Bürgerkriege zwischen denSöhnen Bajazid's I. (140213) und des Invasionskriegs Mohamed's I.(141421) gerieth das türkische Heer in ziemlich bedeutende Unordnung.Murad IL aber und dessen kriegerischer Sohn Mohamed IL der Ero-berer, stellten Ordnung und Disziplin wieder her und wachten strengedarüber, während sie zugleich die Kriegsverfassung der Türkei wesent-lich ausbildeten. Murad IL schloss aus den Janitscharen alle die Türkenaus, welche, im Besitz von grossen Gütern und Freiheiten, für den Sultanund das Reich leicht gefährlich werden konnten. Zum Ersatz für dendadurch entstehenden Ausfall bestimmte er, dass jede im Reiche lebendeChristenfamilie 1 Krieger stellen sollte. Die Ausbildung dieser Ein-gestellten wurde im Kriegswesen erfahrenen Offizieren übertragen. Unterihm wurden auch die Feuerwaffen in das türkische Heer eingeführt (ver-muthlich schon früher bekannt und gebraucht in der Türkei), ebenso dieAnwendung von Pulverminen (zum ersten Male, nach der Angabe unga-rischer Schriftsteller, bei der Belagerung von Belgrad, 1437). Der straffenOrdnung und Disziplin, welche er mit allen Mitteln aufrecht zu haltensuchte, verdankte Murad IL hauptsächlich die Erfolge seiner Waffen,u. A. auch den glänzenden Sieg, welchen er (am 10. Novbr. 1444) überdas verbündete Christenheer unter Wladislaw III., König von Ungarnund Polen, bei Varna erfocht. Trotzdem muss schon 2 Jahre nach diesemSiege (1446) Mnrad IL mit Gewalt einen furchtbaren Aufstand der Janit-scharen in Adrianopel dämpfen, einen Aufstand, welcher schon vorhersehen