336 HI. Von Einführung- der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
anzunehmen. Bis dahin hatte Heerwesen und Organisation der Kasakenden ursprünglichen mit den Dnjepr-Kasaken gemeinsamen Charakterbewahrt, dessen Hauptzüge folgende waren:
Die Don-Kasaken führten zwar kein eheloses, aber doch ein mehrnomadisirendes als sesshaftes Leben, Krieg und Raubzüge dem häus-lichen und ackerbauenden Daheim vorziehend, mit welchem sie sich fastgar nicht befassten. Grösstenteils lebten sie unter freiem Himmel undnur auf dem rechten Ufer des Don, von der Mündung des Choper biszum Axai, in einigen Städtchen. Diese Städtchen bestanden in Erd-hütten, mit geflochtenem Zaun und Erdwall umgeben. Die älteste undbedeutendste derselben war Rasdory. Die Kasaken regierten sich underledigten alle Angelegenheiten in dem allgemeinen Rathe, dem Wois-kowoi-Krug. Der Ataman besass keine besondere Gewalt, sondernwar nur der Wächter der Ordnung. Die Woiskowoye-Krugi wurdenebenso zusammengesetzt, die Atamans, Starschinen und Offiziere ebensogewählt, wie bei den Saporogern. Für den Fall eines Feldzuges ent-schied der Woiskowoi-Krug nur darüber, ob man zu Lande oder zurSee ausziehen solle; die weiteren Anordnungen und die Leitung derOperationen waren lediglich Sache des Pochodny-Ataman. Wenn einmächtiger Feind den Einfall drohte, so sendete der Woiskowoi-KrugErlasse an alle Städtchen, welche die Versammlung der Atamans undKasaken in Rasdory (später in Tscherkask) anbefahlen und zugleichfestsetzten, mit wie viel Mann jedes Städtchen daselbst zu erscheinenhabe. Die übrigen Kasaken mit den Weibern versammelten sich, aus5—6 Städtchen an einem Orte. In Rasdory wurden nach Zusammentrittdes Heeres alle möglichen Vorsichts-Maassregeln ergriffen, Patrouillenzu Pferde nach nah und fern gesendet, eine doppelte oder dreifache Kettevon Wachen gezogen, u. s. w.
Die gewöhnlichen Waffen der Don-Kasaken waren Flinte, Säbelund Pike, theils durch Kauf beschafft, theils vom Feinde erbeutet. Pul-ver und Blei erhielten die Don-Kasaken meist von der russischen Re-gierung geliefert. Sie hatten auch leichte Geschütze. Wenn sie zu Feldezogen, waren sie gewöhnlich sehr einfach, oft schlecht bekleidet und be-waffnet, an Lebensmitteln nahmen sie Nichts mit als Zwieback.
Die Züge zur See, einträglicher, aber auch gefahrvoller, wurdendenen zu Lande vorgezogen. Sie wurden genau in derselben Art und aufden gleichen Schiffen ausgeführt, wie bei den Saporogern.
Bei den Feldzügen zu Lande hatte jedes Corps seinen Pochodny-Ataman und theilte sich in Ssotnien und Fünfziger, welche von den Jes-sauly, Ssotniki und Pjatidessjatniki (Fünfziger) befehligt wurden. Allediese Chargen wurden vor dem Ausrücken ins Feld von den Kasakenselbst gewählt, bei dem Marsche beobachteten die Don-Kasaken grosse