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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 333

wie die Saporoger Kasaken unter die Gewalt des polnischen Krons-Het-mans und nahm ihnen den Eid ab, dass sie ohne Vorwissen, Einwilligungund Befehl des Letzteren nicht eigenmächtig Angriffe gegen die Tatarenund Türken unternehmen, Niemand in ihre Gemeinschaft aufnehmen,noch Beute einbringen wollten, bei Todesstrafe, welche auch Diejenigentreffen sollte, welche Kriegsvorräthe u. s. w. verkauften. Zu Anfang des17. Jahrhunderts begann Sigismund III. die Kasaken noch mehr zudrücken : er führte mit Gewalt die Union auch bei den Saporogern durch,verbot (1609) die Aufnahme von Kasaken in den königlichen Dienst,ausser bei äussersten Nothfällen, und veröffentlichte (1613) einen Erlassüber Ausrottung der Kasaken, worin dem Krons-Hetman anheimgegebenwurde, mit ihnen wie mit Staats-Verbrechern zu verfahren. Die Kasakenwurden durch diese Maassregeln aufs Aeusserste erbittert. Zeitweisenoch für Polen gegen Türken und Schweden kämpfend, lagen sie dochnoch öfter mit den Polen selbst im Kriege, setzten eigenmächtig ihreKämpfe mit den Tataren und Türken fort und fingen endlich an, sich ihreHetmans selbst zu wählen (seit 1592).

In dieser für sie drangsalvollen und schweren Zeit (Ende des lli.und Anfang des 17. Jahrhunderts) bewahrte die Organisation der klein-russischen Kasaken in der Hauptsache die Form, welche Stephan Ba-thori derselben gegeben hatte. Das Gemeinwesen der Saporoger Kasa-ken bietet folgende Züge, von denen sich viele auch bei den kleinrus-sischen Kasaken wiederfinden i

Die Saporoger Kasaken lebten in 10 Ssjätschi und 38 Kurenji).Ssjätsch hiess eine Gemeinschaft von Häusern und Lehmhütten mit einerKirche, umgeben von einem Erdwall mit Kanonen, Kurenj ein grossesHaus mit mehreren kleinen Häusern. In der Kurenj commandirte derKurenny-Ataman, in der Ssjätsch war der Stanowoi oder Ko-schewoi-Ataman (Stations- oder Geschirr-Ataman). Während derenAbwesenheit vertrat sie der Nakasny- (Vice-) A tarn an. Ausser denAtamans waren noch Woiskowye (Truppen- oder zur Kasaken-Genos-senschaft gehörige) Richter, Schreiber, Jessauly (Hauptleute),Unterschreiber, und Unterj essauly vorhanden. Die Artillerie be-fehligte der Pyschkarj. Einen wichtigen Bang bekleidete auch derDo üb y seh oder Paukenschläger, der durch Schläge auf die Pauke dasZeichen zur Raths-Versammlung gab. Am ersten Neujahrstage tratendie Kasaken zu dem W o i s k o w o i - K r u g zusammen (Heeres-Versamm-lung) und wählten unter gewissen Ceremonien dieneuen Atamans, Starschiniund übrigen Offiziere. Geschriebene Gesetze besassen die Saporoger gar

*) Ssjätsch = Niederlassung, Colonie; Kurenj, polnisch Kureni = Kasaken-dorf. Anm. d. Uebers.