Die gleichzeitigen Nachbar-Keiche und Völker. 331
einen Wojewoden ernannte, — und ganz Klein-Russland in 4 Woje-wodschaften getheilt wurde.
Die kleinrussischen Kasaken sicherten zu Friedenszeiten die Gren-zen und führten Festungsarbeiten aus, hei Kriegszeit dienten sie aufeigene Kosten und nahmen ruhmvollen Antheil an allen polnischenKriegen mit dem deutschen Orden, dem russischen Zarenreiche, und derTürkei. Indessen, trotz aller dieser Dienste und aller Urkunden undPrivilegien der Könige von Polen verletzten Polen und Lithauer dieseLetzteren doch häufig und verwalteten Klein-Russland nach Willkür.Der orthodoxe Glaube wurde unterdrückt, die Eigenliebe des Volkesdurch Ernennung von polnischen und lithauischen Wojewoden gekränkt.Aber im Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Schwiegersohn desFürsten Ostroshski und Verwandter des Königs Alexander (1501—1506), Predslav Lanzkoronski zum 1. Male zum kleinrus-sischen Hetman erwählt, mit den Rechten eines königlichen Statt-halters, — und mit ihm begann eine ununterbrochene Reihe kleinrus-sischer Hetmans (die sich bis in die Zeit der Kaiserin Katharina II.fortsetzte). Um diese Zeit begegnet man auch zum ersten Male demNamen des Gesetzgebers der Saporoger Ssj ätsch und ersten KoschewoiAtaman derselben (Geschirr-Ataman) Eustaphius Daschkowitsch.Er erlangte Berühmtheit in dem Kriege Johann' s IV. gegen Alexan-d e r von Polen, und trat bald in den Dienst des Ersteren, kehrte aberunter WassiljilH. in lithauische Dienste zurück, zugleich mit demFürsten Konstantin Ostroshski. Im Jahre 1511 begab ersieh aufdie Dnjepr-Inseln, wo seit langen Zeiten freie Kasakendruschinen ausden verschiedensten Nationalitäten wohnten. Von ihnen zum Koschewoi-Atanian erwählt, theilte er sie nach Ssotnien und Regimentern (zu 3 Ssot-nien), bewaffnete sie gleichmässig mit Gewehr und Säbel, setzte Star-schinen über sie und führte militärische Disziplin und Ordnung beiihnen ein. Ertragen aller Mühen und Entbehrungen, Verachtung vonGefahr und Tod, unbedingter Gehorsam gegen die Führer, gleichmässigeVertheilung der Beute, das waren die Eigenschaften, Pflichten undRechte der Kasaken unter Daschkowitsch. Sigismund I. gab, zurBelohnung für die Dienste, welche die Dnjepr-Kasaken unter Führungvon Daschkowitsch Polen geleistet hatten, ihnen Kanjew, Perewo-lotschk, und eine von ihnen Tschigirin genannte Festung, auchQuartier, d. h. Sold und Waffen, und erlaubte ihnen die Stadt Tscher-kassy zu erbauen und sich oberhalb der Wasserfälle (Porogi) anzusiedeln.Sigismund IL August verlieh nach erfolgter vollkommener Verei-nigung des lithauischen Grossfürstenthums nebst Klein-Russland mitPolen sowohl den Klein-Russen wie den Dnjepr-Kasaken viele Rechteund Privilegien , erliess ihnen alle Abgaben und Zölle, gab ihnen Glau-