Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 329
Anzahl von Ausgängen gemacht, und wurden nicht selten regelrecht undstark mit Artillerie und Fussvolk besetzt und vertheidigt. In den Feld-zügen gegen die Türken waren sie vollkommen wie bewegliche Festungenund gereichten stets den Polen zu grossem Nutzen.
Eine ungeheure Masse von Trossknechten (ciury, czeladz obozowa)und Pferden beschwerte das polnische Heer in immer höherem Maasse.Nach dem Zeugniss der polnischen Schriftsteller befanden sich bisweilenbei einem 10000 Mann starken Heere bis zu 50000 Trossknechten! Häufigwurden aus denselben ganze besondere Abtheilungen oder Rotten ge-bildet, welche unter der Führung von tüchtigen Offizieren in vielen Fällendem polnischen Heere wichtige Dienste leisteten.
Was die Kampfart der polnischen Truppen anbelangt, so glich siemehr oder weniger der der west-europäischen und stand derselben nichtnach. Im 16. Jahrhundert war, nach Aussage eines polnischen Hi-storikers (Njamzewitsch), die Aufstellung und Kampfart der pol-nischen Truppen sehr entwickelt und vervollkommnet.
Organisation, Bewaffnung, Aufstellung und Kampfart der Truppendes Grossfürstentimms Lithauen hatten bis zum Beginn des 15. Jahr-hunderts dieselben Hauptgrundlagen und Züge wie bei den russischenHeeren. Von da ab nahmen sie nach und nach den polnischen Charakteran, so dass seit Mitte und besonders Ende des 16. Jahrhunderts sie denpolnischen vollkommen gleich wurden. Damals bestand das lithauischeHeer zum Theil aus besoldetem Fussvolk (zolnerzy), hauptsächlich aberaus adliger Reiterei, Husaren mit ihren Schildknappen, und Pancerni, —sie zerfiel in Regimenter und Banner und wurde commandirt von demlithauischen Gross-Hetmann, welcher von dem polnischen oder Krons-Hetmann unabhängig war.
§. 177.Die Kasaken bis zum 16. Jahrhundert.
Es wurde bereits gesagt (18. Kapitel §. 158), dass die Zahl derDnjepr- und Don-Kasaken sich durch Auswanderer verschiedener Ständeund Klassen erheblich vermehrt hatte, seit Anfang des 15. Jahrhundertsaus Südwest-Russland und dem lithauischen Grossfürstenthum, seit Endedes 15. Jahrhunderts aus Ost-Russland. Die Ersteren entzogen sich denBedrängungen der Regierung, der Geistlichkeit und Edelleute Polens,die Letzteren den harten, oft strengen Maassregeln des Einheitsstaates,welche ihre früheren Freiheiten und Vorrechte einschränkten oder siederselben ganz und damit zugleich des Ansehens und Gewichtes imöffentlichen Wesen beraubten.
So bildete sich im 14. und 15. Jahrhundert am untern Dnjepr und