328 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjiihrigen Kriege eto.
Kasak führte auf dem Pferde mit sich die uuerlässlichen Lebensmittel,Marsch- und Schiessbedarf. Bisweilen dienten und fochten die Kasakenauch zu Fuss.
In Fällen, wo die polnische Reiterei nicht ausreichte, nahm die pol-nische Regierung Reiterdruschinen der Ungarn, Deutschen, Czechen undsogar Schottländer iu ihren Dienst.
Das Fussvolk im polnischen Heere bestand bis zu Stephan Ba-thori aus auf Zeit einberufenem, schlecht bewaffnetem und ungeschulteinVolke, in geringer Zahl, — oder aus fremden Söldnern in noch schwä-cherer Anzahl. Von dem Nutzen, der Wichtigkeit und Notwendigkeiteines stehenden, gut bewaffneten und regelrecht geschulten Fussvolksdurchdrungen, bestimmte Stephan Bathori, dass von je 20 Höfendurch das ganze Reich hindurch je 1 zum Kriegsdienst fähiger Fuss-soldat, mit Flinte, Schwert und Beil, und je I Dessjatnik, mit dem Ber-dysch (Spiess, darda) bewaffnet, aufgestellt werden sollte. Der berühmteZ a m o i s k i übertrug die Formation und regelrechte Ausbildung diesesFussvolks einem von seinen Verwandten. Der Erfolg war bemerkenswert!],und sogar viele reiche Edelleute bewarben sich um den Eintritt in dieneue Fusstruppe. Die innere Organisation derselben ist nicht bekannt.Sie theilte sich in Regimenter, Choragwie (Banner), 50ger und 1.0er. IhreBewaffnung bestand in Flinte und Beil, Letzteres wurde so zum Sturmwie zur Ausbesserung von Wegen u. s. w. gebraucht. Das polnischeFussvolk zeichnete sich durch Tapferkeit und Ausdauer aus und rivali-sirte würdig mit der polnischen Reiterei. Ihren besten und Hauptbe-standtheil bildeten übrigens nach Stephan Bathori's Zeit die Deut-schen, besonders die Preussen, welche immer mit grosser Auszeichnungfochten.
Die Feuerwaffen wurden in Polen bald nach ihrer Einführung inWest-Europa bekannt. Von Geschützen (Armaty) im polnischen Heeregeschieht zuerst Erwähnung in der Beschreibung der Schlacht bei Grün-wald oder Tannenberg, 1410, und seitdem sehr häufig. Die polnischeArtillerie verdankte ihre Vermehrung an Geschützen und die Vervoll-kommnung ihrer Organisation und Ausbildung grossentheils den Jagel-lonen. Johann Albert hatte in dem Feldzuge in Volhynien (1499)eine grosse Anzahl verschiedener Geschütze bei seinem Heere. In derFolge vermehrte sich die Zahl derselben sowohl bei der Feldarmee wiein Warschau und den grossen Städten.
Bei dem polnischen Heere befanden sich immer zahlreiche Trains.Sie bestanden aus einer grossen Zahl von Fahrzeugen, welche sowohlzur Fortschaffung der Kriegs- und Proviantvorräthe, wie namentlich zurConstruction von Wagenburgen in der Form von Feldschanzen dienten.Die Wagenburgen wurden gewöhnlich viereckig mit der erforderlichen