Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 327
und Pancerni (Panzerreiter). Bei den Husaren dienten, wegen derreichen Kleidung und Bewaffnung und des kostspieligen Unterhalts der-selben nur die reichsten Edelleute. Ihre Ausrüstung und Organisationwar derjenigen der west-europäischen ritterlichen Reiterei sehr ähnlich,speziell jener der französischen Ordonanzrotten (Compagnien). Sie trugenden vollen Panzer: Helm , Panzer mit Ringkragen, Arm- und Bein-schienen, Handschuhe u.s.w., ganz wie die deutschen und französischenRitter. An der linken Seite hing ein krummer Säbel, am Sattel linksnoch ein 5 Fuss langer Pallasch. Ausserdem führten sie Streithämmer.Ihre Hauptwaffe aber war die 19 Fuss lange Lanze, von derselben Formwie bei den deutschen und französischen Rittern. Um Schultern undKücken hing ein Löwen-, Tiger- oder Leopardenfell. Alle Theile ihrerRüstung waren reich mit Gold und Silber verziert, die Helme noch mitFedern. Jeder Husar hatte 4Pacholiki oder Waffenträger, leicht be-waffnet und auf leichten Pferden bei sich, 20 Husaren mit ihren 80Schildknappen bildeten eine selbstständige Abtheilung, Rotte oder Esca-drou von 100 Reitern und ebensoviel Pferden. Von diesen bildeten die20 Husaren im Kampfe das vordere Glied, die 80 Knappen die 4 hinterenGlieder, sodass hinter jedem Husaren dessen Knappen hintereinanderhielten, ganz wie bei den französischen Ordonanzrotten. Die Husarenkämpften gleich gut gegen Reiterei wie gegen Fussvolk, sie waren derbeste und zahlreichste Theil der gesammten Cavallerie.
Die Pancerni wurden aus dem niederen Adel (kleine Schljachta) ge-bildet. Sie waren bewaffnet mit Säbel, Handfeuerwaffen , kurzen Ge-wehren und langen Pistolen, nicht selten auch Bogen und Pfeilen. IhreSchutzwaffen bestanden in Panzer, eisernen Sturmhauben (misiurka) mitRingelnetz, das Gesicht, Hals, Schultern und Rücken schützend. DasZubehör zu den Gewehren und für den Feldzug trugen sie rechts amGürtel befestigt. Die Pancerni bildeten die leichte Reiterei. Aehnlichbewaffnet und ausgerüstet wie sie waren noch andere Arten von pol-uischer Reiterei, u. A. die durch ihre Thaten in Russland während derunruhigen Zeiten so berühmten berittenen Parteigänger, die L i s s o w -czyki, so benannt nach ihrem Anführer Lissowski.
Die kleinrussischen Kasaken leisteten Polen, besonders unter Ste-phan Bathori und Sigismund III. die grössten und nützlichstenDienste, und befanden sich oft in einer Stärke von 30000 Mann beimpolnischen Heere. Sie zeichneten sich durch Unermüdlichkeit, Schnellig-keit, kriegerisches Geschick und Muth aus, und waren als leichte Rei-terei sehr brauchbar. Ihre volksthümliche Bewaffnung und Kleidung,wie ihre Kampfweise trugen einen halbasiatischen Charakter. Auf ihrenleichten Pferden, leicht bewaffnet, kämpften sie leicht und gewandt mitdem Säbel und Gewehr, vom Pferde herab nach allen Seiten. Jeder
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