Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 325
Hofdruschinen und Banner (nädworne lmfce i choragwie) oder dieeigenen Truppen der Personen vom höchsten Adel (Magnaten), an Zahlbisweilen sehr stark, welche auf Sold und Unterhalt von Denjenigendienten, welchen sie angehörten ; 3) die kleinrussischen Kasaken,welche für Verleihung von Land und gewisse Geldeinkünfte besondereKasaken-Regimenter aufstellten (s. unten §. 178); — und 4) die frem-de n S ö 1 d n e r s c h a a r e n, vorzugsweise Fusstruppen.
Die numerische Stärke des polnischen Heeres war oft sehr beträcht-lich. Polen konnte schon vor der Vereinigung mit Preussen, Kurlandund Finnland an 150000 Mann aufstellen, und nach der Vereinigung mitdiesen Provinzen und mit dem Grossfürstenthum Lithauen sogar dasDoppelte. So z. B. standen in dem Heere Johann August's bei dessenZuge inVolhynien (1499) allein 80000 Edelleute, — Sigismundll.August machte den Feldzug in Livland mit 120000 Mann, welche le-diglich vom Grossfürstenthum Lithauen und Roth-Russland aufgebrachtwaren, und Sigismund III. brachte zu dem Feldzug gegen Chotin vonnur 4 Wojewodschaften 52000 Mann zusammen.
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts dienten, wie früher, die pol-nischen Truppen im Innern des Reiches ohne Sold, ausserhalb der Gren-zen aber erhielten sie geringe Geldsätze, aber ohne feste Bestimmungund Regelmässigkeit. Die ersten Spuren regelmässiger Gehaltszahlungenan die Truppen erscheinen im Jahre 1562. In diesem Jahre wurde aufdem Pjotrkowschen (Petrikowschen) Reichstage bestimmt, dass der 4. Theil(K w a r t a) der Einkünfte von den königlichen Gütern und Starosteien zumUnterhalt des Heeres verwendet werden sollte. Mit diesen Mitteln war esmöglich, ein zahlreiches Heer zu erhalten. Aber in Folge der Unregel-mässigkeit der Zahlungen, oder der einkommenden Kwarta, oder auchvon Missbräuchen und Betrügereien war die Zahl der Kwarciane oderbesoldeten Truppen (auch wohl zolnerzy, aus dem deutschen WorteSöldner corrumpirt) immer im Verhältniss zur Grösse des Reiches, einesehr geringe, bisweilen nicht über 60000 Mann betragend. StephanBathori hatte in dem Kriege mit Russland nicht mehr als 40000 MannKwarciane oder zolnerzy, seine eigenen Leibwachen mit eingerechnet.Die Kwarciane waren bis zur Theilung Polens dessen einzige stehendebesoldete Truppe. Die Geldbesoldung war zu verschiedenen Zeiten eineverschiedene. Im Jahre 1567 setzte der Senat fest, dass alle 4 Monategezahlt werden sollten: dem Towarzysz oder berittenen Edelmann 8,— dem Rottmeister 10 polnische Dukaten, eine für damals recht hoheBesoldung, wenigstens weit bedeutender als die bei den gleichzeitigenfranzösischen und .deutschen Heeren übliche (der damalige Dukaten hatteetwa den lOfachen Werth der späteren).
Die polnischen Kriegsgesetze und Bestimmungen schrieben eine
Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. '^