Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 323
rief viele geschickte fremde Giesser ins Land und war überhaupt auf alleWeise bemüht die Artillerie zu vervollkommnen. Im Jahre 1504 gab esiu Schweden bereits 1432 kupferne und 2027 eiserne Geschütze. Die ge-sammte Artillerie befehligte ein Feldzeugmeister.
In den Kriegen im Norden bildeten die S ohne e Schuhläufer(Skidlöpore) eine besondre Truppengattung, sie waren grösstenteilsaus Finnland und dienten als leichte Truppen.
Oberbefehlshaber des ganzen Heeres war der Reichsmarschall, wel-chem der König oft Schweden oder Fremde als Gehülfen beiordnete,unter dem Namen Feldoberst oder Generaloberst. Beim Feldherrn fandhäufig ein Kriegsrath der höchsten Offiziere statt. Das Fussvolk befeh-ligte ein Generaloberst, die Cavallerie ein Feldmarschall.
An Gehalt wurde im Jahre 1561 gezahlt: an 1 Reiter 30—70 Mark,je nach seiner Ausrüstung, — 8—10 Mark an den, welcher keine Schutz-riistung besass. Die Hofrotte (bei der Fahne) erhielt höheren Sold. Ver-pflegung wurde den Truppen entweder aus Festungen oder Burgen ge-liefert, in welchen sie als Garnisonen lagen, oder von den Bauern, beiwelchen sie einquartirt waren, oder auch durch Lieferung aus Staats-mitteln. Wurde sie nicht in Natur gegeben, so wurde der Sold erhöht,immer im Verhältniss zu der besseren oder schlechteren Bewaffnung.Den fremden Söldnern gab Karl IX. bestimmtes Handgeld, und zur Be-lohnung für Feldzüge, je nach deren Wichtigkeit, 12—16 Mark proKopf; Kleidung erhielten die Truppen aus dem Staatsschatz. Die Leib-garde des Königs war gleichmässig gekleidet, auch bei den andernTruppen begann Karl IX. zum Theil eine Uniformirung einzuführen.Zu Winterfeldzügen erhielten sie Pelzkleider. Während des Kriegesoder Feldzuges lagerten sie in Erd- oder Laubhütten, mit dem Aus-suchen und Verbessern der Wege war der Befehlshaber des Trains be-auftragt.
In diesem Zustande befand sich die Heeresorganisation Schwedensbis zu KaiTs IX. berühmten Sohne Gustav IL Adolph.
§. 176.Polen und Lithauen.
Nach dem Tode Kasimir's III. des Grossen (1333—1370) istdie Geschichte der Kriegsorganisation Polens und seines Heerwesens engverknüpft mit der Geschichte der allmählich anwachsenden Macht desAdels und der sich vermindernden königlichen Gewalt. In dem Maassewie die Erstere zunahm und die Letztere abnahm, gewann Polens Kriegs-verfassungeinebesondere Form, inmancherHinsichtderwest-europäischenähnlich, aber doch in den meisten andern mehr und mehr davon ab-