Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

322 M. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.

Sigismund III. (159298) bestätigte alle früheren Freiheiten undRechte des Adels, den Dienst desselben noch mehr beschränkend.

Erst Karl IX. (15991611) machte endlich dem zunehmendenVerfall des schwedischen Heerwesens ein Ende und begann den Druckzu entfernen, mit welchem der Feudalismus dessen Entwicklunghemmte. Er zwang den Adel zur Leistung von Geld- und materiellenBeiträgen für das Heer, gab der Reiterei welche seit Gustav Wasa'sZeiten sich aus den Bauern der Kronhöfe (Güter) unterhielt, eine regu-läre Organisation, setzte die Anzahl der Leute bei derselben fest (je 120Mann bei 1 Fähnlein oder Rotte), die Einkünfte in Friedenszeit, Bewaff-nung und Sold zur Kriegszeit. Jeder Reiter, Inhaber eines Hofes,rausste ein gutes Pferd, einen starken Panzer, 2 kurze und 2 lange Arke-busen , und ein tüchtiges Schwert «der Pallasch, Sattel und Zaumzeughaben. Im Jahre 1608 versprach der Adel, Leute zu dieser Reiterei zustellen, hielt aber sein Versprechen schlecht. Darauf verlieh Karl dieVorrechte des Adels an diejenigen Nichtadligen, welche bereit waren,zu Pferde oder zu Fuss mit ihrer eigenen Ausrüstung zu dienen. Er über-wies der erwähnten Reiterei Höfe zum Wohnsitz, Sold und verschiedeneGutsfreiheiten. Ausserdem hielt er auch niederländische Söldner und1 Regiment französische Reiterei. Schliesslich berief er im Jahre 1595in den Reichstag Deputirte aus der Armee und verwandelte damit denKriegerstand in Staatsbeamte.

Das Fussvolk trug grösstentheils Panzer von Stahl, Eisen oderKupfer, Arkebusen und Musketen mit Lunten- oder Radschloss, welchesschon unter Karl IX. durch Feuersteine ersetzt wurde. Indess hieltensich auch die Bogen noch im Gebrauch. Schwert, Degen und Säbelwaren von verschiedener Länge und Form, die Hauptwaffe blieb diePike. Gleich wie die Reiterei theilte auch das Fussvolk sich in Fähnchenoder Rotten, anfänglich zu 500 Mann, unter Karl IX. zu 400, 300, undsogar zu 200. Jedem Fähnlein waren einige Mann leichten Fussvolkszugegeben (enfants perclus, verlorene Knechte). Jedes Fähnchen befeh-ligte ein Kapitain, unter ihm 1 Lieutenant, 1 Fähnrich, Quartiermeisterund Unteroffiziere. Zu jedem Fähnlein gehörten ferner Trommler,1 Pfeifer, und zum Stabe Feldprediger, Feldscheer und Profoss. ZumKampfe stellten sich die gleichmässig Bewaffneten zusammen.

Die Artillerie erfreute sich besonders unter Karl IX. grosser Sorg-falt. Sie zerfiel in schwere oder Belagerungs- und in Feld-Artillerie. Zurersteren gehörten die Kartaunen und grossen Schlangen, zur Letzterendie kleineren von verschiedenster Art, Form und Benennung, theils vonEisen, von Kalibern gleich den deutschen. Karl IX. führte auch eineArt von leichten eisernen Geschützen ein, welche er in England giessenHess, und errichtete an vielen Orten Giesshöfe oder Geschützgiessereien,