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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Die gleichzeitigen Nachbar-Reiche und Völker. 321

sie bessere Pfeile gebrauchen und anfertigen, verlängerte die Piken, umReiter abwehren zu können, gewöhnte durch kriegerische Uebungen dieEingezogenen zur Ordnung im Kampfe und in den Bewegungen.

Nachdem Schwedens Unabhängigkeit errungen war, zog GustavWasa nur noch selten die bäurischen Aufgebote zusammen. Das Volks-element behielt aber trotzdem das Uebergewicht im Heere, und zu dem-selben trat ein neues hinzu, deutsche Söldner. Diese 2 Bestandtheiledes Heeres wurden als Garnisonen der befestigten Städte verwendet, undauf diese Weise bildete sich eine Art von stehenden Truppen. An denStaatsstrassen wurden befestigte Waffenmagazine und Sammelpunkteder Truppen (places d'armes) für den Fall einer Gefahr von aussen ange-legt. Es war festgesetzt, wie viel bewaffnete Männer der Adel, dieStädte und Provinzen aufbringen konnten und sollten (Provinz Smalandjeden 5. Mann, die übrigen den 7., bei ausserordentlichen Anlässen aberje 1 Mann pro Hof). Den Reiterdienst der Adligen setzte Gustav Wasafest nach den Einkünften, d. h. im Verhältniss zum Einkommen vonihren Gütern. Zu Ende seiner Regierung belief sich die Stärke des schwe-dischen Heeres, theils auf Sold, theils in Quartieren angesiedelt an Fuss-volk auf 12034 Mann und auf 1370 Mann Reiterei Schweden, und 540Mann Fussvolk und 296 Reiter deutsche Söldner. Die Letzteren em-pfingen höhere Gehaltssätze als die schwedischen Truppen, aber zwischender Besoldung der Offiziere und der Gemeinen war wenig Unterschied.Gustav Wasa legte auch den ersten Grund zur Schöpfung derschwedischen Seemacht, an Stelle der früheren unbedeutenden Schiffe.In den Kriegen mit den Russen wendete er sogar eine Art Kanonenbootemit 1012 Reihen Rudern an.

Nach seinem Tode befand sich 40 Jahre lang (15601599) bis zuKarl IX. die Kriegs-Verfassung Schwedens in Unordnung und Verfall.Zur Zeit der Unruhen unter Erik XIV. (15601568) wurden dem Adelgrosse Freiheiten im Kriegsdienste verliehen, trotzdem er seinen Dienstnur sehr nachlässig und ungenügend that. Kriege und Seuchen vermin-derten die Volkszahl. Im Kriege ging die Disziplin verloren, Desertion,Empörung, Ungehörigkeiten und Gewaltthätigkeiten aller Art kamenvor. Indessen führte Erik zuerst die Eintheilung in Regimenter ein,erst sehr grosse, 6000 Mann, zu 12 Fähnlein oder Rotten ä 500 Mann,doch hörte diese Eintheilung unter Erik's Nachfolger wieder auf undtrat erst später wieder ins Leben.

Johann III. (156892) vermehrte noch die militärischen Frei-heiten des Adels, und der Dienst des Letzteren beschränkte sich mehrund mehr. Im Jahre 1573 bestimmte Johann, dass die jungen Adligennach erreichtem 17. Jahre, wenn sie nicht bei der Reiterei dienen konn-ten, wenigstens auf Sold eintreten sollten.