Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Die gleichzeitigen Nachlbar-Keiche und Völker.
175. Schweden. — §. 17(1. Polen und Lithauen. —■ §. 177. Die Kosaken bis zum10. Jahrhundert. — §. 17S. Dnjepr- und kleinrussische Kosaken. ■ — tj. 179.Don- und andere östliche Kosaken. — §. 180. Türken. — §. 181. Tataren.
§. 175.Schweden.
Bis zum letzten Viertel des 15. Jahrhunderts lag der Kriegsdienstiu Schweden vorzugsweise auf den königlichen Dieustmaunen (Leite,Geleite) oder dem Adel, und wurde ungenügend betrieben. Das eigent-liche Volk nahm nur wenig an demselben Theil, einige Gelegenheitenausgenommen, wo die schwedische Armee aus Bauernaufgeboten gebil-det wurde (19. Kapitel §. 160).
Aber die Kriege mit Dänemark um die Unabhängigkeit Schwedenslegten den Grund zu einer neuen Kriegsorganisation des Letzteren. Diebäuerlichen Aufgebote erlangten ein entschiedenes Uebergewicht überdie adeligen, und mit wachsendem Erfolge. Das nahm schon unter demberühmten Reichsstatthalter von Schweden, Steno Sture (1470—1504)seinen Anfang. In der Schlacht bei Brunksberg (1471) bestand sein Fuss-volk fast nur aus Bauern, deren Hauptwaffen Bogen und alte schwedischeAexte (svenske palyxe) waren.
Diese Kriegsverfassung gelangte zu noch weiterer Entwicklungunter dem berühmten Gustav I. Wasa (1521—1559). Mit ungemeinerGeschicklichkeit verstand er die Kraft der Bauernaufgebote zu leiten undauszunutzen, obgleich sie anfänglich nur sehr einfache und rohe Formenzeigte. Die Bauern, Bewohner der Gebirgsthäler in Schweden, auswelchen Gustav Wasa seine ersten Armeen bildete, besassen wederFeuerwaffen, noch regelrechte Kriegsorganisation, und waren nur mitAexten, Bogen, Schleudern und Piken bewaffnet. Gustav Wasa lehrte