3J4 IH. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum droissigjiihrigen Kriege etc.
wurden von besonderen Arbeitern Schanzkörbe gewälzt, aufgestellt undmit Erde gefüllt in der Schussweite erst der Geschütze, dann der Hand-feuerwaffen, zuletzt beim Festungsgraben selbst. Wenn die Schanzkörbeaufgestellt und gefüllt waren, so stellte man die grossen Geschütze da-hinter, aus denen nun ein lebhaftes Feuer gegen die Festungsmauern,Thürme, Thore, Gebäude u. s. w. eröffnet wurde. War man auf Gewehr-schussweite herangekommen, so wurden zwischen die Schanzkorb-Batte-rieen Schützen placirt, welche auf die Vertheidiger der Mauern undThürme ihr Feuer richteten. Mitunter wurden auch hohe Thürme vonHolz erbaut, welche an die Mauern gerollt wurden und von denen dannaus grossen und kleinen Geschützen und Gewehren das Innere der Stadtmit Geschossen überschüttet ward. Seit der Mitte des 16. Jahrhundertsbegann man Pulverminen zur Zerstörung von Mauern und Thürmen an-zuwenden. Gewöhnlich waren es Fremde (Deutsche), welche mit rus-sischen Gehülfen diese Minen anlegten, oft mit grossem Erfolge (so z. B.bei der Belagerung von Kasan im Jahre 1562). Waren durch die Wirkungder Geschütze oder der Minen die Mauern zerstört und eine erheblicheBresche geöffnet, so schritt das Fussvolk, durch Schilde gedeckt und vondem Feuer der Geschütze und Gewehre unterstützt, rückwärts durch dieCavallerie gedeckt, mit Lanzen, Schwertern und blanken Waffen zumSturm. Aber erst seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts kam die Weg-nahme von Festungen durch Sturm häufiger vor, da die Feuerwaffenund die Kunst der Ingenieure sich vervollkommnet hatten. Bis dahingelang ein Sturm selten, man zog es vor, durch enge Einschliessung undHunger die Stadt zur Uebergabe zu zwingen. Aus den Beschreibungenvon russischen Belagerungen jener Zeit ist es nicht ersichtlich, dass siebdie russischen Truppen dabei der Approchen bedienten, wenigstens nichtin der Form, wie sie in West-Europa üblich waren.
De Vertheidigung war der Belagerung ähnlich. Ihre Hauptmittelwaren: Thätigkeit der Geschütze und Gewehre, und Ausfälle bebufsZerstörung der Belagerungsarbeiten, Vertreibung der feindlichen Truppen,und seit Mitte des 16. Jahrhunderts ausserdem Pulverminen zur Zerstö-rung der Belagerungsarbeiten.
§. 174.Allgemeine Schlussfolgerungen.
Die historische Entwicklung der Heeresorganisation und des Kriegs-wesens im russischen Reiche von Johann III. bis zur Thronbestei-gung von Michael Feodorowitsch Romanow hat, vom allge-meinen Gesichtspunkte aus betrachtet, eine besondre Wichtigkeit und