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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Das russische Reich (14621013). 313

häufig (wie z.B. bei der berühmten Belagerung von Kasan) von grossemNutzen.

Vom 14. Jahrhundert an wurde der innere und äussere Schutz desReiches durch Festungen und Verschanzungen bedeutend verstärkt undvervollkommnet. Viele der grösseren und wichtigeren Städte im Innernerhielten neue Befestigungen, die anderer wurden verbessert und reno-virt, und eine Menge neuer Festungen"gebaut, besonders an der Ost- undSüd-Grenze im 14. und 15. Jahrhundert, an der Süd-, West- undNord-Grenze im 16. Jahrhundert. So befestigte u. A. Aristotelesunter Johann IV. den Kreml zu Moskau durch steinerneThürme. Wäh-rend der Minderjährigkeit Johann's IV. wurde unter der RegentinHelena Glinska Moskau ausser der Kremlbcfestigung noch (im Jahre1534) durch eine neue sehr bedeutende Steinmauer mit 4 Steinthürmen,4 Thoren und einem tiefen Graben umgeben, an der Stelle, wo bis dahinnur ein Erdwall gewesen war (der Stadttheil zwischen diesen Befesti-gungen und dem Kreml hiess Kitai-(China) oder mittl er e Stadt). UnterHelena Glinska entstanden als neue Festungen: 2 an der lithauischenGrenze und 4 im östlichen Theile von Russland, und neu befestigt wur-den Ustjug, die Sophienseite in Nowgorod und Wologda. Johann IV.erhaute die Festungen Swijashsk an der Swijaga-Mündung, Michailowan der Prona, Schatzk am Zno, und einige andere. Boris Godunowliess sich besonders die Befestigung der Südgrenzen gegen die Krym-tataren angelegen sein, erbaute viele neue Festungen, und erneute dieFestungswerke mehrerer Städte an dieser Grenze, während er die Be-festigungen der andern südlichen Grenzstädte ausbessern liess.

Was die Art der Befestigung von russischen Städten im 15. und 16.Jahrhundert anbelangt, so war sie dieselbe wie in West-Europa währenddes 14. und 15. Jahrhunderts. Die Vervollkommungen, welche dieFestungen West-Europa's im 16. Jahrhundert erfuhren, wurden im rus-sischen Reiche nicht eingeführt; wenigstens sind an den noch erhaltenenalten russischen Festungen davon keine Spuren bemerkbar.

Art und Kunst der Belagerung und Vertheidiguug von Festungenwaren noch fast dieselben wie früher, mit dem Unterschiede jedoch, dassseit Johann III., in dem Maasse wie sich die Feuerwaffen verbreitetenund in Gebrauch kamen, die Mauerbrecher und Schleudermaschinenseltener angewendet, und mit Feuerwaffen gemischt gebraucht wurden,deren Wirksamkeit sich immer vermehrte. Die belagerte Stadt oderFestung wurde, wie vordem, auf allen Seiten von Truppen umstellt,welche befestigte Lager bezogen und sie mit Graben und Erdaufwürfenoder Wällen, Pallisaden u. s. w. umgaben, so dass sie vollkommen nachdraussen für Zufuhr von Lebensmitteln und Hülfe abgeschlossen war.Man näherte sich dann allmählich der Stadt von mehreren Seiten: voran