312 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
bedeutender Ausdehnung, die russischen Grenzen im 14. und 15. Jahr-hundert und zu Anfang des 16. Jahrhunderts nach der Seite der Krym-und Kasanschen Tataren, d. h. gegen Osten und Süden, und seit derMitte des 16. Jahrhunderts auch gegen die Schweden und Polen, nachNord und West. So befestigte noch Johann Kaiita die Grenzen vonder Oka bis zum Don und vom Don bis zur Wolga durch Verhaue; Jo-hann IV. verstärkte diesen Verhau und bildete aus demselben die Bj el-gorodsche Grenzverschanzungslinie; Boris Godunow errichteteeinen Verhau von Brjansk bis Murom, Posharski aber im Jahre 1612einen in dem heutigen Bjelosersker Bezirke zum Schutze der nowgorod-schen Grenzen gegen die Schweden. Die Verhaue oder V er hacke,auch Wall und Linien, bestanden in waldigen Gegenden aus Baum-Verhacken, in waldfreien oder weniger holzreichen aus Erdwall mitnassem oder trocknem Graben. Zur Herstellung von Waldverhacks wur-den besondre verbotene Wälder bestimmt, in welchen nicht nur dasFällen von Bäumen, sondern sogar das Durchlegen von Wegen undPfaden untersagt war. Auf der ganzen Ausdehnung des Verhaues, Wallesoder Linie befanden sich auf Sehweite von einander Schanzen, Redouten,Forts, mit Wällen und Gräben umgeben, und zwischen diesen in derLinie oder dem Wall eine bestimmte Anzahl von Schlagbäumen oderBarrieren. Die Vertheidigung der Verhaue, Wälle oder Linien, wie auchdie Bewachung der verbotenen Wälder lag der Verhauwache oh(s. §. 168).
Die Städte begann man, wie schon gesagt, seit der ersten und be-sonders 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, mit steinernen Mauern und Thür-men mit Graben zu befestigen, wozu fremde, meist italiäuiscbe, Bau-meister herangezogen wurden. Johann III. schickte mehrmals nachDeutschland und Italien, um kundige und geschickte Baumeister (Inge-nieure), Mauermeister u. s. w. für den russischen Dienst anwerbenzu lassen. Der berühmteste von diesen im russischen Staate und Dienstegewesenen Männer war der bekannte Aristoteles Fioraventi ausBologna, welcher ausser dem Bau vieler Kirchen und Staatsgebäudeauch mehrere ihm aufgetragene Ingenieurarbeiten in sehr geschickterWeise ausführte. Aber bis zu Johann IV. beschränkten sich diese nurauf die Befestigung von Städten und waren die Ingenieure lediglichFremde, in geringer Zahl. Seit Johann IV. traten auch eigentlicheKriegsingenieure (Rasmyssly) auf, die eine besondere Klasse vonKriegsleuten bildeten und sich nicht blos mit der Befestigung von Städten,sondern auch mit Belagerungsarbeiten gegen feindliche Städte beschäf-tigten. Die bedeutendsten derselben warenFremde, namentlich Deutsche,ihre Gehülfen aber und Schüler Küssen. Johann IV. schätzte ihre Thä-tigkeit und legte ihr grossen Werth bei, und wirklich waren sie auch