Das russische Keich (1462—1613). 311
Stelleu zu sein. Aber dies vermochte die Mjästnitscliestwo nicht zubeseitigen, sie bestand fort und erstarkte noch mehr.
Die russischen Herrscher, indem sie die Disziplin im Heere über-wachten und die Ueberschreitungen strenge bestraften, belohnten andrer-seits freigebig alle Kriegsdienste und Auszeichnungen. Die Belohnungenbestanden in: goldnen Münzen (Solotye), von reinem Gold oder ver-goldet mit dem Bildniss des Monarchen (für die Wojewoden) oderSt. Georgs (für die Soldaten); sie wurden als Denkmünze zur Aufbewah-rung, oder zum Tragen um den Hals, auf der Brust, dem Helm (Schapka)oder Aermel verliehen; bisweilen auch in Korabiniki oder Korable-niki (englische und französische Münzen, 2 Dukaten werth, mitSchiffs-abbildungen), kostbaren Pelzen, Kaftans und andern Kleidungsstücken,Brünnen oder Panzern, Waffen, goldnen oder silbernen Bechern, Schöpf-kellen, Pokalen, u. s. w., Verleihung von Lehngiitern, Geldeinkünften,Beförderung zu höheren Chargen und Würden und Hofstellen, Civil- odermilitärischen Aemtern u. s. w.
§. 173.Befestigung, Belagerung und Vertheidigung von Lagern und Städten.
Die Ingenieurkunst begann sich seit Johann III. zu heben, wennauch nur sehr langsam, und stand hinter der einen raschen Aufschwungnehmenden West-Europa's zurück.
Unter den früheren Arten von Feldbefestigungen nahm zu jener Zeitder Guljai und der Sas sj äka eine wichtige Stelle ein. Guljai oderguljaigorod (wandernde Stadt), und Wesha werden zum ersten Malebei der Belagerung von Kasan im Jahre 1530 unter Wassilji III. er-wähnt, waren aber wahrscheinlich schon unter Johann III., möglicherWeise sogar noch früher im Gebrauch. Guljai hiess eine Art beweg-liche Befestigung, gebildet aus zusammengestellten Schilden, welche in2 Keinen auf einer solchen Anzahl von grossen Sichelwagen oder Schlitten,wie zur vollkommenen Umschliessung des Heeres oder des Lagers erfor-derlich war, mit einander befestigt wurden. Bei jedem Wagen oderSchlitten befanden sich 10 Strelitzen (früher Bogenschützen), welche sievor sich herschoben, und beim Halt hinter den Schilden hervor durchOeffnungen zwischen den Schildern schössen. Es kam vor, dass ein Guljaivon einigen Werst Länge oder Umfang fabricirt wurde.*)
Durch Verhaue sicherte die Regierung u. A.. und bisweilen in sehr
*) Der Grundgedanke des Guljai war derselbe, wie die bei den üussiten undandern Völkern im 15. Jahrhundert gebräuchlichen Wagenburgen.
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