Das russische Eeich (1462—1613). 309
die Okolnitschie von 200—400, die Polkowye-Woj ewoden ge-wöhnlich 500 Rubel, und mit Zulagen für Auszeichnung und lange Dienstebis zu 1000 Rubel; bei den Strelitzen der Golowa 30—60 Rubelund 300—500 Tschetwert Landes als Lehn, der Ssotnik 10—12 Rubel,der Dessjatnik 10, der Strelitze 4, 5, und bis 7 Rubel und dazuRoggen und Hafer bis zu 12 Tschetwert. Die Dworjanen und Bo-jaren-Kinder der zarischen Druschine erhielten unter FeodorJohannowitsch und Boris Godunow von 12—60 Rubel, (ihreKapitäns bis 120 Rubel und Land von 600 bis 1000 Tschetwert), —unterdem ersten Usurpator 40—70 Rubel Jeder, ausser Lehnsgütern.
Fast das gesammte Heer und alle Truppenchargen dienten aufeigene Verpflegung vor und bis zu Johann III. Nur die fremden Leib-wächter und die Strelitzen (mit Ausnahme der Offiziere bei den Ersteren,und der Golowy bei Letzteren, welche mit Lehen abgefunden wurden)empfingen aus dem Schatze eine gewisse Menge Körner Getreide, Haferu. s. w. Die gewöhnliche Verpflegung im Feldzuge bestand: beim ge-meinen Mann und den armen Ratniki in gedörrtem Hafermehl (Tolokno)und Zwieback (Ssucharj), bei dem Wohlhabenden und den Offizieren ingetrocknetem, geräuchertem oder gesalzenem Fleisch (an Fleisch-) und inFischen (an Fasten-Tagen). Die Lebensmittel (nach damaligem AusdruckKormy, Futter) entnahmen die Truppen den Orten, durch welche siegerade kamen. Bisweilen erging der Befehl, auf dem ganzen Wege,welche die zu Felde ziehenden Truppen einschlugen, Lebensmittel fürMenschen und Pferde bereit zu halten: Kühe, Hammel, Grütze, Salz,Hafer, Heu u. s. w. Johann IV. zog die Wojewoden strenge zur Ver-antwortung, wenn die Truppen beim Marsche durch russisches Gebietirgend Etwas mit Gewalt nahmen. Unter ihm kam es auch vor, dass Ge-treidevorräthe in weggenommene livonische und andre Städte durchPossoschenleute (Angehörige der Kirchengüter) oder durch freie Liefe-rungen aufgebracht wurden. Den Dienst thuenden Kasaken und Tatarenwurden 2 Dengi täglich') gezahlt für Pferdefutter, im Allgemeinen abernährten die Pferde sich im Sommer vom Weidefutter, wesshalb auch dieLager hauptsächlich an Orten aufgeschlagen wurden, welche Ueberflussan Weide hatten. Nur die Wojewoden und Heerführer hatten Zelte, diegemeinen Soldaten lagen entweder unter Hütten, oder unter freiemHimmel.
Auch in dieser Periode zeichneten sich die russischen Truppen, wieehedem, durch grosse Unermüdlichkeit bei Beschwerden, Tapferkeit,Muth und Ausdauer in Nöthen und Entbehrungen, durch feurige Bravem 1beim Angriffe und aussergewöhnliche Standhaftigkeit und Hartnäckig-
*) 1 Denga = 1 / 3 Kopeken. Anm. d, Uebers.
Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. ^1