Das russische Reich (1-162—1U13). 303
dieses Statuts auf die Aufstellung und Kampfart der Heere zu jeuer Zeitkeiuen besonderen Einfluss gehabt zu haben scheint, so war sie dochnicht vergeblich, denn später (1621) vervollständigte der Zar MichaelFeodorowitseh dieses selbe Statut, gab es von Neuem heraus undführte es in die russische Armee ein.
Die Ordnung der Märsche und die Kampfart der Truppen im Feldeund im Kampfe war in dieser Periode im Allgemeinen die folgende:
Nach Sammlung, Besichtigung und Eintheilung der Truppen (s. §.168 und 172), rückte das Heer ins Feld. Vorn marschirte der Jertoul(oder Jertaul) und das Jertoul-Regiment (Vortrab), ein Corpsleichter Reiterei, das, wie es scheint seit Johann's III. Zeit eingeführt,bestimmt war Wege und Feind zu recognosciren und das Hauptheer vorfeindlichen Ueberraschungen zu sichern. Hinter dem Jertoul folgten:das Avant-Garden-Regiment, dann das Grosse Regiment oderHauptheer und mit diesem die Artillerie, dann Bagage und Fahrzeuge,und endlich das Storoshewoi-Regiment (Amere-Garde). DieRegimenter der rechten und linken Hand agirten für sich, bisweilenin grosser Entfernung vom Grossen Regiment. Jedes Regiment be-stand aus mehreren städtischen Dessjatnjen (s. oben), in Ssotnien getheilt,unter dem Oberbefehl von 2 oder 3 Wojewoden (aus den Bojaren oderOkoluitschen, seltner aus den Stolniki), welchen wieder Golowi (Haupt-leute) oder Ssotniki unterstellt waren. Bei dem Marsche in der Nähe desFeindes wurde grosse Vorsicht beobachtet, nach allen Seiten weit fortAbtheilungen vorgeschoben, und möglichst die Nähe befestigter Städtegesucht. Die Märsche erfolgten, wie vordem, zu Lande oder auf Flüssen(gegen die Tataren auf der Moskwa, Oka, Kljasma und Wolga mit derenNebenflüssen). Das Lager bezog man gewöhnlich in der Nähe oder längsFlüssen und Wäldern an Stellen, wo Wasser, Holz und Futter reichlichvorhanden war; es wurde nach allen Seiten mit Wällen, Gräben, Fahr-zeugen und Wachen umgeben, ausserdem durch Patrouillen gesichert.Stiess man im offenen Felde auf den Feind, so suchte man sich defensivzu verhalten, durch Terrain und künstliche Befestigungen sich zu ver-stärken, seitdem 16. Jahrhundert meist durch Guljai oder Guljai-Gorod (wandernde Stadt, s. §. 173). Eine allgemein feststehendeSchlachtordnung gab es nicht, das Heer theilte sich nur in die Mitte und2 Flügel; besondre Korps wurden mitunter weiter zurückgehalten zurUnterstützung, öfter auch in Hinterhalte gelegt, oder zu Umgehungenentsendet. Die Reiterei stand vor dem Fussvolk, denn sie begann denKampf, indem sie nach tatarischem Gebrauch mit grossem Geschrei beidem Schall der Pauken, Hörner und Trommeln einen ungestümen An-griff machte, im Galopp ihre Gewehre und blanken Waffen gebrauchendund bemüht durch den festen Stoss den Feind zu werfen, oder ihn zu