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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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302 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Sonne stillstehen hcisst, oder St. Georg's des Siegers, später den 2köpfi°genAdler, oder Sonne, Mond, Sterne, die Wappen der Fürsten und Reichen,verschiedene wilde Thiere, Vögel, Ungeheuer u. s. w. Die Fahnen wur-den heilig gehalten, die Pflicht aber sie zu tragen galt nicht als Auszeich-nung. Nicht selten waren sie so gross und schwer, dass mehrere Männersie tragen mussten. Jedes Regiment im Heere hatte seine eigene Fahne,welche die Bezeichnung des Regiments enthielt (das Grosse, rechte, linkeHand u. s. w.). Bei den Strelitzen hatte jede Ssotnic ihre eigene Fahne,und diese Fahnen hiessen ssote nnye oder hratskij e. Auch die Don-schen Kasaken hesassen von den Herrschern geschenkte Fahnen.

Die Kriegsmusik bestand wie vordem aus Trompeten, Trommelnoder Handpauken, Hörnern, Schalmeien oder Rohrpfeifen, und grossenkupfernen Pauken, welche hinter den Wojewoden auf hölzernen Schildengeführt wurden, die auf 4 nebeneinander gehenden Pferden lagen; zujeder Pauke (nahat) gehörten 8 Mann. Durch Schläge auf diese Paukewurden von den Wojewoden die Signale zu Bewegungen oder verschie-denen Thätigkciten ihrer Regimenter gegeben.

Unter Godunow hatte jeder Wojewode seine besondere Fahne mitdem Bilde irgend eines Heiligen, die von 2 oder 3 Ratniki getragenwurde, und 10 bis 12 grosse Pauken nebst ebensovielen Trompeten undTrommeln. Das Ertönen aller dieser Instrumente war das Zeichen zumBeginn des Kampfes, der Rückmarsch wurde durch nur einen Schlag aufdie grosse Pauke bezeichnet.

§.171.Aufstellung, Evolutionen und Kampfart der Heere.

Nach dem Zeugniss der fremden Schriftsteller hatten Aufstellungund Kampfart der russischen Truppen ebenso wie ihre Bewaffnung einenvollkommen asiatischen Charakter, wie er bereits öfter geschildertwurde. Boris Godunow undWassilji Johannowitsch Schuiski,wie auch der erste Usurpator suchten eine reguläre europäische Auf-stellung und Kampfart einzuführen, aber ihre Bemühungen blieben, ausden oben angeführten Gründen ohne nachhaltige Folgen. WassiljiJohannowitsch Schuiski liess (im Jahre 1G08) ein Statut derKriegs-Angelegßnheiten aus dem Deutschen und Lateinischenübersetzen und herausgeben, welches die Regeln der Einteilung undAusbildung der Truppen, der Aufstellung, Evolutionen und Kampfart desFussvolks und der Reiterei, des Schiessens aus Geschütz und Handge-wehr, Einrichtung der Truppen in den Lagern, der Führung von Belage-rungen, Ausführung des Sturmes u. s. w. enthielt. Obgleich wegen derdamaligen unruhigen Verhältnisse die Uebersetzung und Herausgabe