300 HI. Von Einführung 4er Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
ohne Rast auf ihnen galoppiren konnte, erschreckten nicht vor dem Feuerund frassen keinen oder nur sei) r wenig Hafer. Auch grusisclie Pferde warenim Gebrauch, schöne Thiere, die aber doch den tatarischen an Schnellig-keit und Ausdauer nachstanden, ferner türkische, polnische (Argamaki)und russische, von kleiner Figur, aber gut, besonders die von Wologdaund Wjätka. Als Sättel benutzte man die tatarischen, hohen, mit kurzenSteigbügeln, sodass die Reiter sich bequem nach allen Seiten umwendenkonnten, aber nur wenig fest sassen und leicht von den Pferden geworfenwerden konnten.
Bis zur Errichtung der Strclitzcn dienten als Fussvolk nur fremdeMiethlinge, deren Zahl unbedeutend war, und die ärmeren von den rus-sischen Ratniki, welche ausser Stande waren Pferde zu haben, undwelche grösstentheils zum städtischen Dienste verwendet wurden. Des-halb bildete das Fussvolk nur schlecht bewaffnete und ungeschulte Hau-fen, welche den Wachdienst in den Städten besorgten; die Feldarmeebestand vorzugsweise aus weit besser bewaffneter und ausgebildeterReiterei.
Durch die Einführung der Strelitzen wurde, wie schon bemerkt, dererste Anfang gemacht zu einer stehenden, mehr oder minder regelmässigorganisirten und ordentlich bewaffneten Fusstruppe. Seit dieser Zeitbildeten die Strelitzen (von denen eine kleine Anzahl beritten war,Stremjannye, Leibjäger) zu Friedenszeiten die Wache von Moskauund der Grenzstädte, in Kriegszeit mit den fremden Söldnern und deuFusskasaken die beste Infanterie der Feldarmee, welche besonders gutbei Belagerung und Vertheidigung von Städten wirkte. Die Zahl aberder Strelitzen, Kasaken und besonders der fremden Miethstruppen warim Vergleich zu der der Cavallerie ziemlich unerheblich, zu Ende aberdes 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts verringerte sie sich noch be-deutend in Folge der allmählichen Verminderung der Strelitzen, desUebertritts der Donschen Kasaken (1598—1610) auf die Seite der äus-seren Feinde, und der vorübergehenden Existenz von verschiedenenfremden Fnss-Druschinen. Zu Ende des 16. Jahrhunderts (unter F eodorJohannowitsch und Boris Godunow) waren in Moskau, wie diefremden Schriftsteller berichten, an 20000 Dworjane, welche die zarischcberittene Druschine bildeten, und an Fussvolk 10000 Strelitzenausser den Strernjaimye (zu Pferde), etwa 6000 Kasaken und 9000fremde Fusssöldner, im Ganzen also an Fussvolk ca. 25000 Mann. Beiden Feldarmeen aber war weit weniger Fussvolk als Reiterei.
Die Bewaffnung der. Truppen war vollkommen asiatisch und wurdeim Laufe der Zeit immer mannichfaltiger und complicirter, schwerer, beiden Vornehmen ausserdem reicher und luxuriöser. Die Angriffswaffenwaren auch noch nach Einführung der Feuergewehre hauptsächlich die