Das russische lieich (1462—1613). 299
ragendsten und mächtigsten Reiche West-Europa's nachstand; So warenbei der Belagerung von Kasan (1552) 150 schwere Belagerungsgeschütze,grosse und mittlere, ausser den kleinen, von 1 >/ 2 Ssashcn') (Faden)Länge, und den Regimentsgeschützen, welche um die Zelte des Zarenstanden, in Thätigkeit. Zur Belagerung von Derpt (Dorpat) 1 500 wur-den 40 Belagerungs- und 50 Feldgeschütze entsendet, bei dem Einfall inLithaucn 1503 befanden sich bei dem Heere 200 Geschütze, in demKriege ndt Schweden (1589—1590) hatte Feodor Johannowitsch300 schwere und leichte Geschütze.
Es gab Pischtschalj (Kanonen), Gafunitzj (Haubitzen) oderUrobowiki und Moshir (Mörser). Von Kanonen, welche zum Unter-schiede von den Musketen (Handrohren, Sawjässny) Satinny (vondein Wort satin — Wall oder Batterie, — Wallrohre oder Batterie-Ge-schütze) genannt wurden, gab es Arten von mittlerem Kaliber, lange,Smjäiki (Schlangen), von kleinem Kaliber, kurze, — Wolkomeikiund Ssokolki (Falconets). Jedes Geschütz führte, wie in West-Europa,einen Namen nach der darauf befindlichen Figur (Basilisk, Löwe, Wolf,Dachs). Die Leute, welche die Geschütze bedienten, hiessen Puseh-kari (Kanoniere), — eine bestimmte Anzahl von Geschützen Turom(Batterie), — die gesammte Masse der Geschütze beim Heere Narjadoder Snarjad (Artillerie).
Die Handgewehre, mit Pfanne und Deckel, später mit Radschloss,beide noch mit Lunten statt der Feuersteine, hiessen Sawj ässny, be-deckte, weil sie hinter dem Kücken getragen wurden, auch Samopali(Luutenbüchsen) und Rutschnizi (Büchsen). Ende des 16. und Anfangdes 17. Jahrhunderts begann man Karabiner und Pistolen, auchBüchsen mit Beilen und Pistolen mit Beuchen anzuwenden.Die Handfeuerwaffen wurden zum Theil in Russland angefertigt, theilsaus fremden Ländern gekauft, theils auch durch Kriegsbeute gewonnen:daher herrschte eine grosse Mannichfaltigkeit unter denselben. Diefremden Schriftsteller bezeugen übrigens, dass die Geschütze und Ge-wehre der Russen immer sehr gut waren.
§. 170.Reiterei und Fussvolk.
Die Haupt-Truppengattung, an Zahl und Güte die bedeutendste, wardie Reiterei, aus Dworjanen und Bojaren-Kindern bestehend mit ihrenLeuten oder Leibeigenen. Die Pferde waren grösstenthoils tatarisch-no-gaiischer Abstammung, von mittlerem Wüchse, scheckig (weiss mitschwarzen Flecken), sehr wild, ausdauernd, sodass man 7—8 Stunden
*) 1 Sashen = ca. 7 Fuss. Anm. d. Uebers.