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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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298 HI. Von Einführung' der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

welche zum Dienst erscheinen sollten, bekannt gegeben war, versam-melten sich alle dienstbaren Mannen in ihren Dessjatnien (so hiessdas ganze Aufgebot einer Stadt, welches den Namen dieser Stadt führteund unter dem Befehl eines Dworjanen, bisweilen auch eines Stolnikstand). Zu der bestimmten Frist sammelte sich das Heer an dem festge-setzten Sammelpunkte, wo ein besonders dazu ernannter Bojar über allezum Lehnskriegsdienste Verpflichtete eine Besichtigung auf Grundder Register vornahm. Sobald die Sammlung, Besichtigung und Fest-stellung der Krieger stattgefunden, erfolgte die Eintheilung des Heeresin 5 Regimenter (wie in§. 172 angegeben), und dann rückte es ins Feld;nach Beendigung des Krieges und Abschluss des Friedens wurden Allein die Heimath und in die Städte entlassen.

§. 169.Feuerwaffen und deren Gebrauch.

Bis zu Johann's III. und auch IV. Zeit verbreiteten sich dieFeuerwaffen sehr laugsam und standen noch auf sehr niedriger Stufe derVollkommenheit. Johann III. vermehrte, unter andern militairischenVer-besserungen, auch die Artillerie (snarjad oder narjad), welche vonda ab einen unabänderlichen Bestandteil der russischen Feldarmeen bil-dete, während bis dahin sie nur ausschliesslich für Vertheidigung undBelagerung von Städten bestimmt gewesen und in Moskau, Nowgorod,Pskow und einigen andern grossen Städten verblieben war. Seit der ZeitJohann's III. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hatte man schon an-gefangen in Russland Geschütze zu giessen, zuerst ein gewisser Aristo-teles Fioraventi. nach ihm auch andere Fremde, meist Italiäner, inder Folge auch Russen selber, als Geschütz-Giessmeister. Unter diesenzeichnete sieh der am Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhundertslebende Andrei Tschochow durch die Schönheit und Sauberkeit dervon ihm gegossenen Geschütze aus. Die ersten Geschütze wurden ohneZapfen, Delphine und Trauben, sowie ohne Eintheilung in Kammertheil,Zapfenstück und Mundstück hergestellt; um die Mitte der RegierungJohann's IV. begann man sie zu vervollkommnen und der heutigen Ge-stalt ähnlicher zu inachen.

Unter der Regierung Wassilji's III., Sohnes von Johann III., ka-men die Feuerwaffen: Geschütze und Gewehre, unter dem allgemeinenNamen Pi seht schal j sehr in Aufnahme. Johann IV. vermehrte ihreZahl, verbesserte ihre Organisation und hob ihre Anwendung bedeutend,so dass im 16. Jahrhundert, besonders in dessen 2. Hälfte, die russischeArtillerie, nach Aussage der fremden Schriftsteller, in Organisation,Ausbildung und Zahl der Geschütze keiner der Artillerieen der hervor-