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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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294 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

erliess 1608 ein aus dem Deutschen und Lateinischen übersetztes Statutder Kriegsangelegenheiten. In gleicher Weise bemühte sich auchder erste Usurpator während seiner kurzen Regierung, indem er euro-päische Organisation bei den Truppen einführte und (Ende des Jahres1605) 3 Ssotnien oder Rotten fremder Leibwache bildete, welche gleich-förmig und reich gekleidet und bewaffnet waren. Alle diese Versucheaber hatten inmitten der inneren Unruhen und Umwälzungen zu Ende des16. und Anfang des 17. Jahrhunderts nicht die Zeit Wurzel zu schlagenund sich zu entwickeln, und blieben deshalb ohne Erfolg und Nutzen.Die fremden Druschinen Godunow's wie die Leibwache des ersten Usur-pators lösten sich mit dem Tode des Einen und des Andern auf. Der Ge-danke aber von der Notwendigkeit einer zarischen Leibwache hatte sichschon seit Johann III. und der Errichtung des Einheits-Staates festge-setzt und erhalten und offenbarte sich unter verschiedenen Gestaltenund Benennungen.

Die Strelitzen ergaben sich nach Johann's IV. Tode und besondersin der Zeit der Unruhen bei den falschen (Pseudo-) Regenten grossen Un-ordnungen, und ihre Zahl verminderte sich erheblich (wie einige fremdeSchriftsteller mittheilen).

Feodor Johannowitsch fuhr fort die Kasaken zu schützen undzu schonen, welche ihrerseits Russland mit demselben Eifer dienten wieunter Johann IV. Aber unter Boris Godunow änderten sich dieseBeziehungen: er hörte auf Sold an sie zu zahlen, löste alle Verbindungenmit ihnen auf und verbot ihnen die russischen Grenzen und Städte zubetreten. Die Folge war, dass bis 1611 die Kasaken sich auf die Seiteder Usurpatoren und der Feinde Russlands schlugen. Im Jahre 1611aber traten sie zu Russlands Beschützern über und nahmen 1612 an derVertreibung der Polen lebhaften Antheil. Nach Margeret's Angabegehörten unter Godunow zu dem russischen Heere an Hülfstruppen ca.30000 Tataren, Tscheremissen und Mordwiner, 34000 Tscherkassen(Dnjepr-Kasaken), 4500 deutsche, polnische, griechische Söldner, unddie Datotschen Leute der Kirchen- und Kloster-Ländereien, vonjedem Tschetwert je 1 Ratnik zu Pferde und 1 zu Fuss.

In Folge aller der Regierungsmaassregeln und Einrichtungen Jo-hann's III., Wassilji's IL und Johann's IV. bietet die Kriegsorga-nisation Russlands zu Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhundertsfolgende Hauptzüge:

Der eigentliche Kern und Haupttheil des Heeres waren die zahl-reiche Klasse der Dworjanen und Bojaren-Kinder, welche Län-dereien mit Bauern nach dem Rechte von Erb- und Lehns-Gütern undder Verpflichtung zum Kriegsdienste besassen. Sie zerfielen gewöhnlichin 3 Abtheilungen, die hessere, mittlere und schlechtere, herrschten in