Das russische Keich (1462—1613). 293
bestellend, welche schworen, ihm treu zu sein, seine Person zu schützen,und bedingungslos seinen Willen und seine Befehle zu erfüllen. Doch be-stand dieses Korps nur 6 Jahre. 1572 wurde es aufgehoben.
Die Streitmacht Russlands vermehrte sich ferner unter Johann IV.durch die Eroberung der Reiche Kasan und Astrachan und Sibiriens, unddurch die Aufnahme der Donschen Kasaken unter russischen Schutz.Im Verbände des russischen Heeres erscheinen schon ausser den Dwor-janen, Bojaren-Kindern, Strelitzen und städtischen KasakenHülfstruppender Tataren, verschiedener früherer Tributäre, und Donscher Kasaken.Der städtischen Kasaken geschieht zuerst in den Chroniken Erwähnungseit Mitte des 15. Jahrhunderts (vor Allen in Rjäsanschen Chroniken,1444 unter Wassilji IL, derer von Rjäsan), unter Johann III. findenwir sie bereits in allen Grenz- und vielen inneren Städten Russlands.Sie bildeten eine Art leichter Reiterei und entstanden wahrscheinlich zurZeit der mongolo-tatarischen Herrschaft, nach dem Muster der DonschenKasaken und zum Zweck der Abwehr der Tataren. Donsche Kasaken(s. §. 177 und 179) erscheinen im russischen Heere erst um die Mitte des16. Jahrhunderts, und von da bis zum Jahre 1598, d. h. bis zur Zeit desBoris Godunow handeln sie stets als treue und nützliche Bundesge-nossen Russlands. Johann IV. nahm sie besonders in Schutz, zahlteihnen Sold und erlaubte ihnen freien Handel in den russischen Städten.
DieFolge aller der angegebenenMaassnahmen Iwan's (Johann's) IV.war, dass die Streitmacht Russlands genau bestimmt und fast doppelt sostark als früher wurde: im Falle der Noth konnte die Regierung in derFolge schon ohne besondre Anstrengung 300000 Mann auf die Beine brin-gen, erheblich mehr also, als die grossen westeuropäischen Staatenjener Zeit: Deutschland, Frankreich, Polen u. s. w. In bedeutend grös-serer Stärke als vordem tritt das russische Heer zum ersten Male unterJohann III. auf, als er an dem Ugra-Fluss dem Khan der Grossen Orda,Achmat, bei dessen erstem Einfall den Weg verlegte, — und zwar ineiner Stärke von 180000 Mann.
Nach Johann's IV. Tode suchte sowohl Boris Godunow wieWassilji Johanno witsch Schuiski den russischen Truppen einereguläre europäische Organisation zu verleihen. Zu diesem Zweckenahm Ersterer Ausländer in russischen Dienst und bildete aus Deutschen,Schotten, Polen, Griechen u. s. w. eine fremdländische Druschine. Nie-mals hatten bisher diese Fremden noch dasselbe Ansehen und dieselbenVorrechte genossen, wie unter Godunow, was man seinem Wunschezuschreibt, besonders die Livonier zu gewinnen und auf seine Seite zubringen, sowie dem grösseren Vertrauen, das er in die Fremden setzte,gegenüber den eingeborenen Russen, und endlich der unzweifelhaftenUeberlegenheit der Ersteren über Letztere im Kriegswesen. Schuiski
Qalitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. ^"