286 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum clreissigjährigen Kriege etc.
Nachdem Kossoi geblendet war, Hess Wassilji den in Kolornnafestgehaltenen Schemjaka frei in sein früheres Theilfürstenthum zu-rückkehren und schloss einen den vorigen gleichlautenden neuen Vertragmit ihm. Schemjaka begab sich nach Galitsch, wartete aber nur aufdie Gelegenheit, um an Wassilji für den Bruder Rache zu nehmen.Und diese bot sich bald: Der Khan der Goldenen Horde, Ulu-Mach-met, aus Sarai durch seinen Bruder im Jahre 1427 verdrängt, erschienan der russischen Grenze und Hess sich in Bjelew nieder. Wassiljischickte ein starkes Heer gegen ihn unter Schemjaka undKrassny,welche unterwegs nicht weniger als die Tataren mordeten, plündertenund verwüsteten. Bei ihrer Ankunft im Bjelewschen bat Ulu-Machmeterschreckt um Frieden, Schemjaka aber undKrassny zogen gegenBjelew und brachten den Tataren eine grosse Niederlage bei. Am an-dern Tage begaben sich die Mursen des Khan zu den Fürsten. Friedenzu erbitten, wobei sie im Namen des Khan versprachen, dass er seinenSohn als Geisel mit ihnen geben und in Bjelew des russischen GebietesWächter sein wolle. Als die Fürsten darauf nicht eingingen, — da wiesendie Mursen auf die Flucht der Russen vor den Tataren hin. Diese Fluchtaber hatte folgende Ursache: Der lithauische Wojewod der Stadt Mzenzk,Grigorji Protassjew, den moskauischen Truppen durch Swidri-gailo zur Hülfe gesendet, war auf Ulu-Machmet's Seite überge-gangen, indem er den Fürsten erklärte, dass ihm befohlen sei, nichtgegen den Khan zu kämpfen, sondern sich mit ihm zu begleichen undseine Truppen zu entlassen. In der Nacht aber Hess er dem Khan sagen,er solle am folgenden Morgen die moskauischen Truppen überfallen.Der Morgen war neblig, die moskauischen Wachen bemerkten nicht, wiedie Tataren aus Bjelew vorrückten und über die moskauischen Regi-menter herfielen. Protassjew war der Erste der mit dem Rufe »rettesich wer kann!« entfloh, und Alle folgten ihm.
Dann zog Ulu-Machmet der russischen Grenze gegenüber durchdie Steppen über die Wolga, Hess sich in der durch die Russen zerstörtenStadt Kasan nieder, erbaute sich daselbst eine neue hölzerne Stadt, undbrach im Sommer 1439 zum Kriege gegen Wassilji auf, um für seineschimpfliche Vertreibung aus Bjelew Rache zu nehmen, rückte plötzlichgegen Moskau vor und belagerte es. Wassilji, der noch keine Streit-macht hatte sammeln können, entwich über die Wolga, den WojewodenFürst Jurji Patrikjäjewitsch zum Schutze von Moskau zurück-lassend. 10 Tage stand Ulu-Machmet vor der Stadt, ohne sie einneh-men zu können, Hess aber auf dem Rückwege Kolornna in Flammenaufgehen und verwüstete das Land.
Im Jahre 1444 fiel der tatarische Sultan Mustapha mit einergrossen Schaar Tataren von jenseits der Wolga ins Rjäsansche ein, Hess